
Stand der Dekarbonisierung des Gebäudebestandes
Die Immobilienwirtschaft steht unter wachsendem Druck, den Gebäudebestand bis 2050 emissionsfrei zu gestalten. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssten jährlich zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Gebäude saniert werden – tatsächlich sind es aktuell nur rund 280.000. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele Akteure noch nicht ausreichend vorbereitet sind.
Unzureichende Konzepte und fehlende Budgets
Eine Befragung von aedifion und Rueckerconsult unter Projektentwicklern, Bestandshaltern und Finanzierern ergab, dass mehr als 50 Prozent der Unternehmen kein Dekarbonisierungskonzept für ihr Portfolio haben. Von denjenigen, die eines besitzen, kennt ein Viertel den CO₂-Ausstoß ihres Bestands nicht. Zudem fehlt bei 60 Prozent der Befragten ein festes Budget für den Dekarbonisierungspfad.
Politische Vorgaben vs. wirtschaftliche Realität
Laut Prof. Dr. Henric Hahr, Leiter Asset Management bei Real Blue, ist die Botschaft in der Branche angekommen, doch fehlendes Kapital erschwert die Umsetzung: „Die Klimaziele sind gesetzt, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren große Investitionen.“ Eine zentrale Herausforderung bleibt, ambitionierte Nachhaltigkeitsvorgaben mit ökonomischen Zwängen zu vereinen.
Marktrisiken: Wertverluste durch mangelnde Sanierung
73 Prozent der befragten Unternehmen befürchten Wertverluste ihrer Immobilien, wenn sie keine Dekarbonisierungsmaßnahmen ergreifen. 29 Prozent sehen die Gefahr, dass ihre Objekte zu sogenannten Stranded Assets werden, und 17 Prozent erwarten sinkende Mieten für nicht nachhaltige Gebäude. Dennoch gehen 23 Prozent davon aus, dass das Ausbleiben von Sanierungen für sie keine spürbaren Konsequenzen haben wird.
Energieeffizienz beginnt mit der Datenerfassung
Um gezielt Sanierungsmaßnahmen umzusetzen, ist eine detaillierte Erfassung des Energieverbrauchs entscheidend. Laut Iris Hagdorn, Head of Sustainability bei HIH Invest, ist dies die Basis für fundierte Entscheidungen: „Erst wenn wir wissen, wo Energie ineffizient genutzt wird, können wir gezielt Maßnahmen ergreifen.“ Doch noch fehlt vielen Unternehmen der Überblick über ihre Verbrauchsdaten.
Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie
Zu den am häufigsten geplanten Maßnahmen zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes gehören der Austausch von Heizsystemen, die Optimierung der Betriebseffizienz und die Nutzung von Ökostrom. Wärmepumpen werden bislang jedoch nur selten eingesetzt, obwohl sie langfristig hohe Einsparpotenziale bieten. Johannes Fütterer von aedifion sieht die Wärmepumpe als zentrale Brückentechnologie: „Sie ermöglicht eine flexible Energienutzung und hilft, Preisspitzen am Energiemarkt zu umgehen.“
Künstliche Intelligenz als Lösung der Zukunft?
Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) kann sich vorstellen, Künstliche Intelligenz (KI) für die Dekarbonisierung zu nutzen. KI könnte helfen, Gebäudedaten effizient auszuwerten, Optimierungspotenziale aufzudecken und Betriebsabläufe zu steuern. Allerdings fehlt es derzeit noch an einer vernetzten Systemlandschaft, um diese Daten sinnvoll zusammenzuführen.
Viel Potenzial, aber auch große Hürden
Die Immobilienbranche steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Klimaneutrale Gebäude bis 2050. Fehlendes Budget, unzureichende Daten und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bremsen die Entwicklung. Gleichzeitig bieten smarte Technologien, gezielte Sanierungen und nachhaltige Energiequellen enorme Chancen. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob die Branche den Weg zur Dekarbonisierung erfolgreich beschreiten kann.