
Reallabor für Geothermie: Nachhaltige Wärme für das Rheinische Revier
Mit dem Kohleausstieg suchen Kommunen und Industrie nach alternativen Wärmequellen. Das Fraunhofer Reallabor für Geothermie, Geotechnologien und Georessourcen – Geo³ – erforscht das Potenzial der Tiefengeothermie in Nordrhein-Westfalen und entwickelt neue Energietechnologien. Das Projekt wird mit 52 Millionen Euro aus Mitteln des Kohleausstiegs von Bund und Land NRW gefördert.
Tiefengeothermie als nachhaltige Energiequelle
Tiefengeothermie nutzt heißes Thermalwasser aus der Tiefe für Fern- und Prozesswärme. Sie kann in kommunalen Wärmenetzen, Gewächshäusern und Industrieprozessen eingesetzt werden. Beispiele wie München und Paris zeigen die erfolgreiche Nutzung geothermischer Heizwerke. Die Wärme ist ganzjährig verfügbar, nachhaltig und nahezu unerschöpflich.
Geophysikalische Untersuchungen und Tiefenbohrungen
Das Projekt startet mit geophysikalischen Messungen und Tiefenbohrungen in der Städteregion Aachen. Seismische Explorationen analysieren die Erdschichten ähnlich wie Echolot-Technologien in der Schifffahrt. Die Bohrungen liefern genaue Daten zu Gesteinsarten, Wasserdurchlässigkeit und Thermalwasservorkommen.
Ein Schlüsselprojekt für Nordrhein-Westfalen
Das Fraunhofer Reallabor unterstützt den Masterplan Geothermie des Landes NRW. Die gewonnenen Daten helfen Wärmeversorgern bei der Entwicklung neuer Projekte. Erkenntnisse werden in Rohdaten, Leitfäden und Workshops bereitgestellt, um Kommunen und Unternehmen den Zugang zu Erdwärme zu erleichtern.
Technikum als Innovationszentrum für Georessourcen
Am Standort des ehemaligen Braunkohlekraftwerks Weisweiler entsteht ein Forschungszentrum für Georessourcen und Dekarbonisierung. Hier werden Forschungsdaten gebündelt und neue Technologien für die geothermische Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung sowie CO2-arme Betriebsstrategien getestet.
Von der Kohle- zur Wärmebergbauregion
Fraunhofer IEG arbeitet mit Partnern aus Forschung und Industrie, um Innovationen in Strukturwandelregionen zu bringen. Die Forschungsinfrastruktur steht Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen zur Verfügung. Zudem werden Fachkräfte für geothermische Energiesysteme ausgebildet.
Politische Unterstützung und langfristige Ziele
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur betont: "Erdwärme ist eine zuverlässige, klimafreundliche Wärmequelle mit enormem Potenzial." Bis 2045 sollen bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW aus Geothermie stammen. Staatssekretär Stefan Wenzel sieht das Projekt als "wichtigen Schritt in Richtung Klimaneutralität".
Forschung als Motor der Energiewende
Fraunhofer-Präsident Prof. Holger Hanselka hebt hervor: "Nur durch Innovationen und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse können wir erneuerbare Energien effizienter und kostengünstiger machen." Das Fraunhofer Reallabor leistet einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Energieversorgung der Zukunft.
Das Geo³-Projekt legt die Basis für die nachhaltige Nutzung der Tiefengeothermie – ein entscheidender Schritt zur klimaneutralen Wärmeversorgung in Deutschland.