Bild: stock.adobe.com
Wohnungsbau fällt auf niedrigsten Stand seit Jahren
Die Wohnungsbaukrise in Deutschland verschärft sich trotz zuletzt steigender Baugenehmigungen weiter. Im Jahr 2025 wurden nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um weitere 18 Prozent. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und die Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft wächst damit die Sorge vor fehlenden Aufträgen, brachliegenden Projekten und dem Verlust von Kapazitäten.
Genehmigungen führen nicht automatisch zu Baustarts
Obwohl wieder mehr Baugenehmigungen erteilt werden, bleibt die Lage angespannt. Viele genehmigte Vorhaben kommen nicht zur Umsetzung, weil Finanzierungskosten, regulatorische Anforderungen oder fehlende Wirtschaftlichkeit Projekte ausbremsen. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes stehen aktuell mehr als 760.000 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen im Bauüberhang.
Bedarf wird deutlich verfehlt
Bau- und Wohnungsverbände sehen Deutschland weit vom tatsächlichen Bedarf entfernt. Nach Brancheneinschätzungen werden jährlich rund 400.000 Wohnungen benötigt. Für das laufende Jahr 2026 bleiben die Prognosen entsprechend schwach. Teilweise wird ein Rückgang auf weniger als 200.000 neu gebaute Wohnungen befürchtet. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa bewertet die Fertigstellungszahlen als bitter, aber angesichts der Rahmenbedingungen nicht überraschend. Zugleich verweist er auf vorhandene Kapazitäten und den hohen Bauüberhang.
Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Die Forderungen der Verbände konzentrieren sich auf einfachere Bauvorschriften, eine verlässliche Förderpolitik, steuerliche Entlastungen und schnellere Genehmigungen. Auch der geplante Gebäudetyp E soll rascher umgesetzt werden, um kostengünstigeres Bauen zu ermöglichen. Aus Sicht der Holzindustrie erschweren zudem föderale Unterschiede bei Bauvorschriften den Wohnungsbau. HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge fordert den Abbau solcher Hemmnisse.
Wohnungsbau wird Standortfrage
Auch der Immobilienverband Deutschland drängt auf einen grundlegenden Kurswechsel. IVD-Präsident Dirk Wohltorf hält einen reinen Planungsturbo nicht für ausreichend und fordert eine echte Beschleunigung des Wohnungsbaus. Die Diskussion reicht damit über die Bauwirtschaft hinaus. Fehlender Wohnraum gilt zunehmend als wirtschaftlicher Standortfaktor, Wachstumsbremse und Risiko für den Arbeitsmarkt. Die Branche sieht sich bereit, sofern der politische Rahmen nachzieht.
Quelle: www.meistertipp.de