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Solarcarports scheitern oft an Statik und Systemplanung
Während über Freiflächen, Solarpflichten und Netzausbau diskutiert wird, bleiben viele versiegelte Parkflächen energetisch ungenutzt. Solarcarports gelten deshalb als naheliegende Lösung. Der Markt entwickelt sich jedoch langsamer als erwartet. Der zentrale Engpass liegt nicht bei den Modulen, sondern in der technischen Umsetzung. Solarcarports müssen als Gesamtsystem aus Dach, Stahlkonstruktion, Lastabtragung, Fundamentierung und Genehmigungsstatik geplant werden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Flächenkonflikte, begrenzter Dachstatiken und steigenden Drucks durch Energie- und Klimaziele gewinnen Parkplätze als baurechtlich grundsätzlich nutzbare Standorte an Bedeutung.
Standardlösungen stoßen an technische Grenzen
Deutschland zählt bei Solarcarports zu den statisch anspruchsvolleren Märkten in Europa. Unterschiedliche Schneelastzonen, hohe Windlasten und heterogene Bodenklassen erfordern eine standortbezogene Auslegung. Standardisierte Systeme führen unter diesen Bedingungen häufig zu Problemen. Entweder werden Projekte überdimensioniert und wirtschaftlich unattraktiv oder sie scheitern in der Genehmigungs- und Prüfstatik. Aus Sicht von Vasyl Betsa, Gründer und Geschäftsführer von PILLAR, liegt die eigentliche Herausforderung in der abgestimmten Planung von Tragwerkskonzept, Lastannahmen und Gründung. Sein Unternehmen entwickelt dafür Stahlkonstruktionen für Solarcarports mit betonfreier Gründung auf Schraubfundamenten und legt die Systeme projektbezogen nach Bodenklasse, Lastzone und Nutzungsszenario aus.
Betonfreie Gründung verkürzt Bauzeiten
Ein zentrales Element des Systems ist die Fundamentierung. Klassische Betonfundamente erfordern Aushub, Trocknungszeiten und verursachen eine höhere CO2-Bilanz. Zudem erschweren sie den Rückbau und verlängern die Projektlaufzeit. PILLAR setzt stattdessen auf Schraubfundamente, die ohne Beton eingebracht, statisch geprüft und bei Bedarf wieder entfernt werden können. Für Betreiber von Handelsflächen, Logistikstandorten oder kommunalen Parkplätzen mit laufendem Betrieb verkürzt das die Bauzeit und reduziert Eingriffe in bestehende Flächen. Gleichzeitig erhöht die rückbaubare Konstruktion die Flexibilität über den gesamten Lebenszyklus.
Solarcarports werden Teil der Infrastruktur
Mit dem Ausbau der Elektromobilität steigen auch die Anforderungen an Solarcarports. Ladeinfrastruktur, Speicherintegration und Beleuchtung müssen konstruktiv mitgedacht werden. Damit entwickeln sich die Anlagen von einer reinen Überdachung zu einem Bestandteil der Energie- und Mobilitätsinfrastruktur. PILLAR arbeitet deshalb zusätzlich an einer digitalen Planungsplattform, mit der sich Projektparameter früh simulieren und kalkulieren lassen. Ziel ist eine schnellere Planung und die Reduzierung von Fehlkalkulationen. Gleichzeitig wird der politische Druck zur Nutzung versiegelter Flächen weiter steigen. In mehreren Bundesländern wird bereits über weitergehende Pflichten für Solarüberdachungen auf größeren Parkplätzen diskutiert. Der Markt dürfte damit wachsen, zugleich aber technisch anspruchsvoller werden.