Bild: stock.adobe.com
Studie fordert neue Förderpolitik für den Wohnungsbau
Die Krise im Wohnungsbau hält an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit mehr als 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf gut 200.000 Wohnungen zurückfallen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden zeigt Leitplanken für eine neue Förderkulisse auf. Ziel ist eine Förderpolitik, die die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten gezielter adressiert.
Förderarchitektur soll einfacher werden
Die Studie Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse knüpft an das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur an. BBS-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs warnt vor einer Verfestigung der Krise und verweist auf spürbare soziale Folgen. Studienautor Prof. Michael Voigtländer vom IW Köln plädiert für staatliche Förderung, die gezielt, zeitlich begrenzt und marktkonform ausgestaltet ist. Statt eines fragmentierten Fördersystems brauche es eine transparente strategische Architektur mit klaren Kriterien.
EH55-Förderung soll nachgebessert werden
Ein Schwerpunkt liegt auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungsmarktes in Krisenzeiten. Die zeitlich befristete EH55-Förderung gilt der Studie zufolge zwar als geeignetes Instrument, habe wegen strenger Konditionen bislang aber nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert deshalb eine Verlängerung des Programms mindestens bis Ende 2026 sowie bessere Förderbedingungen. Genannt werden eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro je Wohnung und praxistauglichere Regeln zum definierten Vorhabenbeginn.
Wohneigentum stärker fördern
Als weiteres zentrales Handlungsfeld nennt die Studie die Wohneigentumsbildung. Wegen hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite. Damit soll der Zugang zu Wohneigentum erleichtert werden.
Sanierung auf ineffiziente Gebäude ausrichten
Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme nach Einschätzung der Studie notwendig, um energetische Sanierungen voranzubringen. Der Schwerpunkt sollte stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen, weil dort die größten Klimaschutzeffekte erwartet werden. Der BBS schlägt dafür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollen Technologievorhaben gefördert werden, die die Produktivität steigern, etwa durch Produktinnovationen.
Strukturelle Reformen bleiben notwendig
Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie strukturelle Reformen für einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen. Dazu zählen ein transparentes Zwei-Säulen-Modell in der Förderung, der Gebäudetyp E, eine Reform des Bauplanungsrechts und der bereits existierende Bau-Turbo. Die Studie steht beim Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden zum Download bereit.