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Schleswig-Holstein lässt Restemissionen im Gebäudesektor länger zu
Schleswig-Holstein will Restemissionen im Gebäudesektor länger zulassen als ursprünglich geplant. Ministerpräsident Daniel Günther erklärte bei der Unterzeichnung einer Realisierungsvereinbarung in Kiel, dass auch nach 2040 im Gebäudesektor Restemissionen verbleiben können. Diese müssten in anderen Sektoren ausgeglichen werden. An der Vereinbarung beteiligt sind Wohnungs- und Wohlfahrtverbände sowie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen.
Klimaziel bleibt bestehen
Schleswig-Holstein will bis 2040 erstes klimaneutrales Industrieland werden. Der Gebäudesektor gilt dabei als wichtiger Baustein. Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen in diesem Bereich nach Angaben der Landesregierung bereits um 43 Prozent gesunken. Zugleich erkennt die Vereinbarung an, dass die vollständige Umstellung des Wohnungsbestands schwierig bleibt.
Heizungstausch als zentraler Punkt
Ein wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung ist der Heizungstausch. Ab 2030 soll der verpflichtende Anteil erneuerbarer Energien angehoben werden, um das Klimaziel 2040 zu erreichen. Ministerpräsident Günther empfiehlt, bei anstehenden Heizungswechseln nicht mehr auf fossile Brennstoffe zu setzen. Ein Verbot für den Betrieb fossiler Heizungen ab 2040 soll es aber nicht geben, wenn bis dahin noch kein Austausch erfolgt ist.
Sozialverträgliche Transformation
Bauministerin Magdalena Finke betonte, dass weder Mieter noch Eigentümer durch die notwendigen Investitionen überfordert werden dürften. Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum sollten keine Gegensätze sein. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, welche Maßnahmen und welche Unterstützung für die Wohnungsbauförderung notwendig sind.
Gebäudesektor schwer umzustellen
Die Umstellung des Gebäudesektors gilt als besonders anspruchsvoll. Energetische Sanierungen älterer Gebäude sind häufig aufwendig und teuer. Dazu gehören Dämmung, Fenster, moderne Heiztechnik und weitere Komponenten. Klimafreundliche Lösungen wie Wärmepumpen erfordern zunächst hohe Investitionen. Hinzu kommt, dass Emissionen aus der Herstellung CO2-intensiver Baustoffe wie Zement und Stahl nach heutigem Stand nur teilweise vermeidbar sind.
Reaktionen fallen unterschiedlich aus
Der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen bewertet die Vereinbarung als gute Lösung und verweist auf die hohen Kosten einer vorgezogenen Klimaneutralität. Der Paritätische Schleswig-Holstein betont, dass auf dem Weg zur Klimaneutralität niemand zurückgelassen werden dürfe. Kritik kommt von SPD und FDP. Die SPD fordert mehr Verbindlichkeit, soziale Abfederung und konkrete Förderungen. Die FDP kritisiert, dass offenbleibe, welche anderen Sektoren die verbleibenden Emissionen nach 2040 ausgleichen sollen.