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Gutachten warnt vor Engpässen bei Gips
Ein neues Gutachten zur Gipsversorgung in Niedersachsen warnt vor möglichen Engpässen bei einem wichtigen Rohstoff der Bauwirtschaft. Die Untersuchung Gesamtlage des Rohstoffs Gips in Niedersachsen wurde im Auftrag des niedersächsischen Wirtschafts- und Umweltministeriums erstellt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass ohne zusätzliche und tatsächlich verfügbare Flächen für die Rohstoffgewinnung die Versorgung mit Gips künftig nicht ausreichend gesichert wäre.
REA-Gips fällt weg
Hintergrund ist der schrittweise Wegfall von REA-Gips, der bisher als Nebenprodukt in Kohlekraftwerken anfiel. Noch vor wenigen Jahren deckte dieser Rohstoff mehr als die Hälfte der deutschen Gipsproduktion ab. Mit dem Kohleausstieg verschwindet diese Quelle vollständig. Recycling und alternative Baustoffe können die entstehende Lücke nach Einschätzung der Gutachter nicht vollständig schließen.
Niedersachsen bleibt zentrale Region
Niedersachsen hat für die Gipsversorgung in Deutschland eine wichtige Rolle. Zwischen 25 und 30 Prozent der heimischen Naturgipsproduktion stammen aus dem Bundesland. Zugleich sinkt die Fähigkeit, den Bedarf aus heimischen Quellen zu decken. Während von 2010 bis 2016 noch rund 80 Prozent des Bedarfs durch Naturgips und Anhydrit aus Deutschland gedeckt werden konnten, lag der Anteil 2022 nur noch bei etwa 66 Prozent.
Branche fordert Rohstoffsicherung
Der Bundesverband der Gipsindustrie sieht in dem Gutachten ein Warnsignal. Geschäftsführer Holger Ortleb verweist auf die Bedeutung heimischer Naturgipsvorkommen für Bauwirtschaft und industrielle Anwendungen. Die Erkenntnisse des Gutachtens müssten aus Sicht des Verbandes konsequent in Planungs- und Genehmigungsverfahren einfließen.
Risiko neuer Abhängigkeiten
Auch aus der niedersächsischen Landespolitik kommt Unterstützung für eine verlässliche Rohstoffstrategie. Christian Frölich, baupolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen, verbindet zusätzlichen Wohnungsbau mit der Frage nach gesicherter Baustoffversorgung. Die Gipsindustrie warnt zugleich vor einer stärkeren Verlagerung der Rohstoffgewinnung ins Ausland, weil dadurch neue Abhängigkeiten, längere Transportwege und höhere CO₂-Emissionen entstehen könnten.
Mix aus Recycling und Naturgips
Die Branche verweist darauf, dass Gipsrecycling, ressourcenschonende Bauweisen und Materialeffizienz weiter ausgebaut werden sollen. Der Bundesverband sieht die langfristige Versorgung jedoch nur durch ein Zusammenspiel von Recycling, Ressourceneffizienz und gesicherter heimischer Rohstoffgewinnung gewährleistet.
Quelle: www.meistertipp.de