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Großes Potenzial für kosteneffizienteren Klimaschutz
Der geplante EU-Emissionshandel für Gebäude und Straßenverkehr ab 2028 kann die europäische Klimapolitik nach Einschätzung des ZEW Mannheim deutlich kosteneffizienter machen. Die Studie beziffert die kumulierten volkswirtschaftlichen Kosten der bestehenden EU-Klimapolitik für den Zeitraum von 2028 bis 2048 auf mehr als fünf Billionen Euro. Ein besser ausgestalteter ETS2 könnte diese Summe um gut 20 Prozent beziehungsweise um bis zu 824 Milliarden Euro verringern. Voraussetzung ist, dass der neue Emissionshandel tatsächlich als marktbasiertes Leitinstrument wirkt.
Fragmentierte CO₂-Preise verteuern die Emissionsminderung
Nach Analyse des ZEW bestehen im derzeitigen System erhebliche Preisunterschiede. Während der CO₂-Preis im bestehenden EU-Emissionshandel ETS1 bis Mitte der 2040er Jahre auf rund 180 bis 200 Euro pro Tonne steigt, liegen die impliziten CO₂-Preise in den bislang nicht erfassten Sektoren Gebäude und Verkehr im EU-Durchschnitt bei bis zu 360 Euro pro Tonne. Hinzu kommen deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Dadurch werden Emissionen nicht europaweit dort gemindert, wo dies am kostengünstigsten möglich wäre. Langfristig hält die Studie deshalb einen einheitlichen EU-weiten CO₂-Preis durch eine Integration von ETS1 und ETS2 für notwendig.
Nationale Vorgaben schwächen das Preissignal
In vielen Mitgliedstaaten wird die CO₂-Bepreisung in den künftigen ETS2-Sektoren bereits von einem dichten Geflecht aus Standards, Förderprogrammen und ordnungsrechtlichen Vorgaben überlagert. Diese Maßnahmen können zwar Marktbarrieren adressieren, begrenzen aber zugleich die Flexibilität des Emissionshandels. Studienautor Sebastian Rausch verweist darauf, dass die Effizienzgewinne des ETS2 nur dann erreichbar sind, wenn nationale Budgets und Doppelregulierungen das Preissignal nicht ausbremsen. Verteilungskonflikte sollten aus seiner Sicht über eine gezielte Rückverteilung der Einnahmen gelöst werden, nicht über Preisdeckel oder Ausnahmen.
Wohlfahrtsgewinne steigen mit ambitionierten Klimazielen
Besonders deutlich würden die Wohlfahrtsgewinne laut Studie im Zeitverlauf bei ambitionierten Reduktionszielen zunehmen, wenn die Grenzvermeidungskosten steigen. Der ETS2 könnte dann seine Stärke als europaweit wirksames Steuerungsinstrument entfalten. Für die europäische Klimapolitik bedeutet das: Nicht zusätzliche Überlagerungen, sondern ein konsistentes und marktbasiertes System entscheidet darüber, ob Emissionen in Gebäuden und im Straßenverkehr kosteneffizient gesenkt werden.