Bild: stock.adobe.com
EEG-Novelle verunsichert Solarbranche und Handwerk
Ein Referentenentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sorgt in der Solarbranche für erhebliche Verunsicherung. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft drohen bei Umsetzung der Pläne ein Einbruch beim Solarausbau, der Verlust zahlreicher Arbeitsplätze und Rückschläge für die Energiewende. Besonders betroffen wären private Dachanlagen, die sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Geschäftsfeld für viele Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entwickelt haben. Der Entwurf sieht vor, die Förderung neuer privater Solaranlagen vollständig zu streichen und Betreiber kleiner Photovoltaik-Anlagen zur Direktvermarktung ihres eingespeisten Stroms an der Strombörse zu verpflichten. Damit stünde das bisherige Modell der festen EEG-Einspeisevergütung faktisch vor dem Aus.
Private Dachanlagen unter Druck
Nach Einschätzung des Verbandes träfe die geplante Streichung der EEG-Vergütung den Kern des dezentralen Solarmarktes. Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig warnt, dass die Abschaffung der Vergütung und die verpflichtende Direktvermarktung die Bürger-Energiewende zum Stillstand bringen könnten. Die Einspeisevergütung bleibe für die Mehrzahl neuer Anlagen notwendig, um deren Wirtschaftlichkeit zu sichern. Für Bauunternehmen, Dachdecker, Elektrohandwerker und Projektentwickler hätte ein Wegfall der Förderung unmittelbare Folgen. Bereits jetzt ist die Nachfrage im Heimsegment rückläufig. Während 2023 noch PV-Dachanlagen mit einer Leistung von rund acht Gigawatt neu installiert wurden, lag der Wert 2025 bei etwa fünf Gigawatt.
Direktvermarktung gilt als nicht praxistauglich
Besonders kritisch bewertet die Branche die vorgesehene Pflicht zur Direktvermarktung für alle neuen Solaranlagen. Nach ihrer Einschätzung sind die dafür erforderlichen Marktkommunikationsprozesse bislang nicht auf ein Massengeschäft ausgelegt. Hinzu kommt der Mangel an intelligenten Messsystemen für kleinere Anlagen. Eine kurzfristige Umstellung würde vor allem Eigenheimbesitzer und kleinere Betriebe überfordern. Unterstützung erhält diese Einschätzung aus der Wissenschaft. Verena Fluri vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme verweist auf eine Studie, wonach die Prozesse in der Direktvermarktung derzeit noch nicht reif für eine großskalige Nutzung im PV-Eigenheimsegment sind. Ein Wechsel in dieses Modell würde die Wirtschaftlichkeit von PV-Kleinanlagen deutlich verschlechtern und viele neue Anlagen unwirtschaftlich machen.
Folgen für Aufträge, Arbeitsplätze und Ausbauziele
Sollten die regulatorischen und technischen Voraussetzungen erst in einigen Jahren geschaffen werden, käme eine sofortige Verpflichtung zur Direktvermarktung laut Verband faktisch einem Ausbaustopp gleich. Für das Baugewerbe würde das weniger Dachsanierungen mit integrierter Photovoltaik, geringere Investitionen in Speicherlösungen und sinkende Auftragsvolumina im Bereich erneuerbare Energien bedeuten. Zugleich verweist der BSW-Solar auf klimapolitische Folgen. Zehntausende Arbeitsplätze in der Solarwirtschaft stünden auf dem Spiel, während die Ausbauziele für erneuerbare Energien in weite Ferne rücken könnten. Laut Umfragen spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für eine Beschleunigung oder zumindest Fortführung des bisherigen Ausbautempos aus. Für die Bauwirtschaft steht damit mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Förderinstrument.
Quelle: www.meistertipp.de