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Wiederverwendung von Fensterglas rückt in den Fokus
Fensterglas wird bislang kaum wiederverwendet. Stattdessen wird es meist eingeschmolzen oder im Straßenbau eingesetzt. Forschende der Hochschule München sehen darin ungenutztes Potenzial für die Bauwirtschaft. Die Herstellung von Glas ist material- und energieintensiv. Durch Wiederverwendung lassen sich Rohstoffe einsparen, Emissionen verringern und Abfallmengen reduzieren. Hinzu kommt ein wachsender Handlungsdruck im Bestand: In den kommenden Jahren müssen rund 150 Millionen alte Fenster ersetzt werden. Das entspricht etwa 220.000 Tonnen Glas pro Jahr.
Neue Prüfmethoden für gebrauchte Gläser
Ein wesentliches Hindernis für die Wiederverwendung sind bislang fehlende Qualitätsstandards. Hersteller benötigen verlässliche Materialkennwerte, geeignete Prüfmethoden für gebrauchte Flachgläser fehlten jedoch bisher. Das Forschungsteam untersuchte deshalb optische und mechanische Eigenschaften von Glasproben. Dabei wurden Oberflächen durch Beleuchtung auf Kratzer geprüft und anschließend Biegeversuche bis zum Bruch durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen guter Oberflächenqualität und hoher mechanischer Festigkeit. Dieser Zusammenhang gilt sowohl für alte als auch für neue Gläser. Daraus ergibt sich eine zerstörungsfreie Methode zur Qualitätskontrolle.
Industrielle Nutzung bleibt die nächste Hürde
Für den großflächigen Einsatz muss der Prüfprozess automatisiert werden. Dafür entwickeln die Forschenden Scanner und Software, die Schäden an Glasoberflächen zuverlässig erkennen sollen. Gleichzeitig erfordert die Wiederverwendung angepasste Produktionsabläufe, weil bestehende Fertigungsprozesse auf neues Flachglas in standardisierten Größen ausgerichtet sind. Im Labormaßstab ist die technische Machbarkeit bereits nachgewiesen. Bestandsgläser wurden geprüft, beschichtet und zu Dreifachisolierglas verarbeitet. Im nächsten Schritt soll nun die Wirtschaftlichkeit belegt und die Einbindung in industrielle Prozesse weiterentwickelt werden.