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3D-Betondruck verkürzt Rohbauzeit im Einfamilienhausbau
In Aalen wird derzeit ein Einfamilienhaus mit 224 Quadratmetern Wohnfläche, neun Zimmern, Keller, Dachterrasse und Garage im 3D-Betondruck errichtet. Das Vorhaben von Rupp Gebäudedruck erreicht dabei eine für den klassischen Wohnbau ungewöhnlich kurze Bauzeit. Das Erdgeschoss wurde in sechs Arbeitstagen hergestellt, für das Obergeschoss sind vier Tage vorgesehen. Insgesamt soll der komplette Rohbau in rund sechs Wochen abgeschlossen sein. Herzstück des Verfahrens ist ein Großformatdrucker, der die tragenden Strukturen Schicht für Schicht aus Beton aufbaut.
Automatisierte Abläufe beschleunigen den Bau
Zum Einsatz kommt ein Drucksystem, das auf größere Baufenster ausgelegt ist. Nach Angaben des Unternehmens fällt der Aufbau zunächst aufwendiger aus als bei anderen Drucksystemen, nach Kalibrierung arbeite die Anlage jedoch zuverlässig und zügig. Gedruckt wird mit genormtem Trockenbeton ohne zusätzliche Additive. Damit setzt das Projekt auf ein standardisiertes Baumaterial und auf einen präzisen, weitgehend automatisierten Bauablauf. Für den Wohnbau gewinnt diese Form der Ausführung an Bedeutung, weil sich Bauzeiten verkürzen und Materialmengen genauer kalkulieren lassen.
Frühe Gewerkeintegration entlastet die Baustelle
Ein wesentlicher Vorteil des Verfahrens liegt in der frühzeitigen Abstimmung mit anderen Gewerken. Leitungen für Elektro, Wasser und Abwasser werden bereits in der Planung berücksichtigt und beim Druck direkt ausgespart. Nachträgliche Arbeiten auf der Baustelle lassen sich dadurch reduzieren. Zugleich können Ausbaugewerke in unteren Geschossen beginnen, während in oberen Bereichen noch gedruckt wird. Diese Überlagerung von Arbeitsschritten verkürzt die Gesamtbauzeit und verbessert die Auslastung auf der Baustelle.
Materialeinsatz und Energieeffizienz im Fokus
Das Gebäude wird im Schalensystem mit außenliegender Dämmung nach EH55 errichtet. Die präzise Materialplanung soll den Verschnitt verringern und Bauabfälle reduzieren. Architektonisch verbindet das Haus sichtbare Strukturen aus dem 3D-Druck mit klassischen Oberflächen. Daraus entsteht ein Materialmix, der die Bauweise erkennbar macht und zugleich an konventionelle Gestaltungsprinzipien anknüpft.
Bauprozesse werden neu organisiert
Mit dem Projekt verschieben sich auch die Abläufe im Bauprozess. Planung, Druck und Koordination der Gewerke werden gebündelt gesteuert. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe gewinnt der 3D-Betondruck damit als Instrument für schnellere, präzisere und besser kalkulierbare Bauprozesse an Relevanz. Im Einfamilienhausbau rückt eine Bauweise in den Vordergrund, die Effizienz, Kostenkontrolle und Terminplanung enger miteinander verknüpft.
Quelle: www.meistertipp.de