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Steigende Baupreise erschweren die Kalkulation von Bauprojekten
Steigende Energie- und Materialpreise belasten den Baumittelstand zunehmend. Vor allem die Verteuerungen bei Diesel und Bitumen erschweren die Kalkulation von Bauprojekten und gefährden die wirtschaftliche Stabilität vieler Unternehmen. Auslöser sind geopolitische Krisen, die die Rohstoff- und Energiemärkte unter Druck setzen. Für Bauunternehmen entsteht daraus ein zentrales Problem: Angebote werden auf einer Kostenbasis erstellt, die sich innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern kann, während nachträgliche Anpassungen vielfach nicht vorgesehen sind.
Asphaltbau besonders stark betroffen
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung im Straßenbau. Asphaltmischgut hat sich infolge der steigenden Bitumenpreise erheblich verteuert, Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent sind keine Seltenheit. Gleichzeitig verschärfen mögliche Versorgungsengpässe die Lage und können Projekte zusätzlich verzögern. Damit geraten Bauunternehmen doppelt unter Druck: Die Einkaufspreise steigen, während die Angebotspreise häufig bereits feststehen. Auch die zeitweise Senkung der Energiesteuer verändert diese Lage nur begrenzt, weil Transport- und Produktionskosten weiter hoch bleiben.
Preisgleitklauseln rücken in den Mittelpunkt
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung nach flexibleren Preisgleitklauseln an Gewicht. Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen hält die bestehenden Regelungen für zu kompliziert und zu bürokratisch. Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach praxistauglichen Anpassungsmechanismen bei öffentlichen Bauaufträgen und nach mehr Spielraum für individuelle Vereinbarungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. Eine dauerhafte Preisgleitung soll zentrale Kostenfaktoren wie Löhne, Geräte und Baustoffe berücksichtigen und Projekte wieder verlässlicher kalkulierbar machen.
Deutschland liegt im europäischen Vergleich zurück
In mehreren europäischen Ländern gehören flexible Preisanpassungen bereits zur gängigen Praxis. Frankreich und Belgien sehen verpflichtende Preisgleitungen schon bei vergleichsweise kurzen Vertragslaufzeiten vor, auch in Österreich, Spanien und den Niederlanden sind solche Mechanismen etabliert. In Deutschland werden entsprechende Instrumente dagegen bislang nur selten genutzt. Gerade für kleine und mittelständische Bauunternehmen erhöht das das wirtschaftliche Risiko deutlich und erschwert die verlässliche Umsetzung von Bauprojekten.
Quelle: www,meistertipp.de