BVMB verlangt professionellere Planungen
Beim Tag der mittelständischen Bauwirtschaft im Januar 2026 in Berlin habe BVMB-Präsident Martin Steinbrecher betont, für erfolgreiche Bauprojekte seien leistungsfähige Auftraggeber erforderlich. An Vertreterinnen und Vertreter unter anderem der DB InfraGO AG, der Autobahn GmbH und der DEGES gerichtet, habe er insbesondere kurze Entscheidungswege, verlässliche Planungen sowie eine professionelle und zügige Bearbeitung von Rechnungen und Nachträgen gefordert.
Personalkapazitäten und Fachkräfteengpass
Aus Sicht der BVMB müssten öffentliche Auftraggeber ihre Personalkapazitäten gezielt stärken, statt weiter abzubauen. Der Fachkräftemangel betreffe nicht mehr nur mittelständische Bauunternehmen, die untereinander und zunehmend auch mit Konzernen und Verwaltungen um qualifizierte Arbeitskräfte konkurrierten. Zwar sei die Fachkräftelücke nach ihrem Höchststand im Jahr 2022 auf aktuell 418.588 nicht besetzbare Stellen gesunken, dennoch zähle Bauplanung und -überwachung weiterhin zu den fünf größten Engpassberufen auf Expertenniveau über alle Unternehmensgrößen hinweg, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung darlege.
Fehlende Planungskapazitäten und Engpässe in frühen Projektphasen
BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka habe erklärt, viele große öffentliche Auftraggeber einschließlich Bundeswehr und BImA verfügten kaum noch über eigene Planungskapazitäten und griffen auf dieselben externen Büros zurück. Dadurch entstehe bereits in der Planung ein Engpass, da insgesamt nicht genügend Planer verfügbar seien, um die anfallenden Aufgaben in angemessener Zeit abzuarbeiten. Nach Angaben der BVMB setze sich das Problem fehlender Personalkapazitäten im weiteren Verlauf fort: Planung, Ausschreibung und Bauherrenfunktion müssten personell und organisatorisch so aufgestellt sein, dass Projekte in hoher Qualität auf den Markt kämen; unvollständige Planungen, kurzfristige Änderungen und lange Entscheidungswege verursachten Zeit- und Kostenbelastungen. Gilka habe zudem darauf verwiesen, dass bei Problemen auf Baustellen häufig zunächst die Baufirma im Fokus stehe, Bauunternehmen jedoch auf eine qualifizierte Vorbereitung durch den Auftraggeber angewiesen seien.
Rechnungsprüfung und Nachträge als strukturelles Risiko
Auch während der Bauausführung sieht die BVMB nach eigenen Angaben erheblichen Verbesserungsbedarf. Effiziente Projektbegleitung sowie fristgerechte und vollständige Bezahlung erbrachter Bauleistungen seien zentrale Voraussetzungen für zügiges Bauen. Insbesondere lange Prüfzeiten bei Abschlags- und Schlussrechnungen sowie bei Nachträgen, wie sie derzeit etwa bei der DB InfraGO AG zu beobachten seien, wertet die BVMB als strukturelles Problem. Steinbrecher habe betont, solche Verzögerungen seien für mittelständische Bauunternehmen ein ernstzunehmendes Liquiditätsrisiko, und gefordert, wer schneller bauen wolle, müsse auch schneller entscheiden und bezahlen.
Bauverwaltung als Ermöglicher statt Verhinderer
Gilka habe darauf hingewiesen, der Aufbau einer leistungsfähigen Bauverwaltung sei weiterhin eine offene Aufgabe. Die öffentliche Bauverwaltung müsse sich vom Bedenkenträger und Verhinderer zum Ermöglicher entwickeln; erforderlich sei ein Umdenken weg von Kompetenzdiffusion, überbordenden Detailregelungen und einer verbreiteten Zurückhaltung bei der Übernahme von Verantwortung. Zugleich mache die BVMB deutlich, dass viele Herausforderungen nur gemeinsam zu lösen seien, durch klare Zuständigkeiten, effiziente Abläufe und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Bauwirtschaft.
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