Bild: stock.adobe.com
3D-Druck soll Fassadendämmung auf der Baustelle erleichtern
Der Bedarf an energetischer Fassadendämmung in Deutschland wächst, während Fachkräftemangel und steigende Kosten die Bauwirtschaft belasten. Ein Forschungsprojekt des Instituts für Industrialisierung smarter Werkstoffe an der Technischen Universität Hamburg zeigt nun einen möglichen Ansatz für effizientere Sanierungen. Dämmplatten sollen künftig direkt auf der Baustelle per 3D-Druck hergestellt werden. Ziel ist ein Verfahren, das schneller, nachhaltiger und mit weniger Arbeitskräften funktioniert. Hintergrund sind auch die steigenden Anforderungen durch das Gebäudeenergiegesetz, das Mindeststandards für die Wärmedämmung im Neubau und im Bestand vorgibt. Hinzu kommen europäische Vorgaben, die etwa bei Eigentümerwechseln energetische Verbesserungen verlangen.
Dämmplatten direkt auf der Baustelle
Gemeinsam mit TECCON Consulting & Engineering hat die TU Hamburg eine Machbarkeitsstudie entwickelt, die auf mobile 3D-Drucker setzt. Die Dämmplatten sollen direkt vor Ort produziert werden. Dadurch könnten Transportwege entfallen, Materialverluste reduziert und die Montage vereinfacht werden. Nach Angaben der Projektpartner sind die ersten Ergebnisse vielversprechend. Geplant ist deshalb ein dreijähriges Folgeprojekt, für das bereits ein Förderantrag gestellt wurde. Ziel ist die Entwicklung eines marktfähigen Systems, das den Dämmprozess beschleunigt.
Weniger Personal pro Sanierung
Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ist vor allem das mögliche Einsparpotenzial beim Personaleinsatz relevant. Die Dämmelemente sollen so konstruiert werden, dass sie leicht und einfach zu montieren sind. Projektingenieur Maximilian Keller erläutert, dass innovative Verfahren den Personalbedarf deutlich senken könnten und damit mehr Sanierungen in derselben Zeit möglich wären. Aus Sicht des Projekts sind neue Verfahren notwendig, um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen.
Leichte Strukturen und neue Materialien
Technisch basiert das Konzept auf sogenannten TPMS-Strukturen. Diese dreidimensionalen Geometrien benötigen wenig Material, bieten aber hohe Stabilität und eine große Oberfläche. Dadurch kann viel Luft eingeschlossen werden, was sich positiv auf die Dämmwirkung auswirkt. Aktuell wird recyceltes PLA verwendet, ein Biokunststoff auf Basis von Maisstärke. Perspektivisch sollen auch Geopolymere eingesetzt werden, die aus industriellen Nebenprodukten hergestellt werden. Zudem wird geprüft, ob zusätzliche Funktionen wie Regenfallrohre oder Elektroleitungen in die Bauteile integriert werden können.
Passgenaue Elemente mit weniger Verschnitt
Ein weiterer Vorteil des Verfahrens liegt in der maßgenauen Herstellung der Dämmelemente. Anders als bei klassischen Dämmplatten, bei deren Zuschnitt häufig erheblicher Verschnitt entsteht, könnten die gedruckten Bauteile exakt an die Geometrie der Fassade angepasst werden. Nach Einschätzung des Projektteams eröffnet das neue Möglichkeiten für materialeffiziente und nachhaltige Bauprozesse.
Quelle: www.meistertipp.de