Textile Grünfassaden sollen Städte klimaresilienter machen

Textile Grünfassaden sollen Städte klimaresilienter machen Bild: stock.adobe.com

Textile Grünfassaden sollen Städte klimaresilienter machen

  • Nachhaltigkeit
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Die Frankfurt University of Applied Sciences ist für das Projekt fabricGREEN mit dem Goldenen European Textile & Craft Award 2026 in der Kategorie Textile Architektur – Forschung & Innovation ausgezeichnet worden. Entwickelt wurde das System von der Forschungsgruppe ReSULT, die sich mit nachhaltigem Bauen und textilem Leichtbau beschäftigt. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung von textiler Innovation, Nachhaltigkeit und urbaner Klimaforschung.

Grünfassaden sollen Hitze, Lärm und Staub reduzieren

Begrünte Fassaden gelten als wirksames Instrument zur Verbesserung des Stadtklimas. Sie können sommerliche Temperaturen senken, das Umfeld kühlen, Lärm mindern und die Biodiversität fördern. Gleichzeitig binden Pflanzen Staub und CO2 und verbessern damit die Luftqualität. In der Praxis scheitern solche Systeme jedoch häufig an hohem Gewicht, aufwendiger Haustechnik, Pflegeintensität und komplexer Montage. Genau an diesem Punkt setzt fabricGREEN an.

Leichtes Modulsystem auf Basis von 3D-Textilien

Das prämierte System basiert auf 3D-Abstandstextilien und ist als modulares Grünfassadensystem ausgelegt. Die textile Struktur übernimmt zugleich die Funktion von Substratträger und Wurzelraum. Hinzu kommt eine integrierte Wasserverteilung, die eine einfache Bewässerung ermöglicht. Die Module lassen sich leicht vorfertigen, bepflanzen und montieren. Damit verfolgt das Projekt das Ziel, robuste, langlebige und pflegeärmere Grünfassaden mit geringem Gewicht für den Einsatz an Gebäuden verfügbar zu machen.

Kooperation mit Industrie und Begrünungspraxis

Entstanden ist fabricGREEN in einem Grundlagenprojekt im Industrieauftrag von Sto SE & Co. KGaA. Beteiligt waren außerdem Partner aus der Textiltechnik und Gebäudebegrünung, darunter Essedea, Vertiko und CityArc. Nach Abschluss der ersten Projektphase wird das Vorhaben derzeit im Rahmen einer Promotion weiter untersucht. Das Projekt knüpft an frühere Arbeiten der Forschungsgruppe an: Bereits 2024 wurde Claudia Lüling mit einem Goldenen ETA Award für das modulare Sonnenschutzsystem BOW ausgezeichnet, das ebenfalls auf 3D-Textilien basiert.

Leichtbau und Kreislauffähigkeit als Forschungsschwerpunkt

Die Forschungsgruppe ReSULT verbindet klassischen Leichtbau mit Fragen der Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und des CO2-Fußabdrucks von Bauteilen. Damit ordnet sich fabricGREEN in eine Forschungslinie ein, die ressourcenschonende Bauweisen mit gestalterischen und funktionalen Anforderungen im urbanen Raum zusammenführt.