Handwerkerbonus steht als Nachfrageinstrument unter Druck

Handwerkerbonus steht als Nachfrageinstrument unter Druck Bild: stock.adobe.com

Handwerkerbonus steht als Nachfrageinstrument unter Druck

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Im Zuge der Beratungen über den Bundeshaushalt 2027 gerät auch die steuerliche Förderung für Handwerkerleistungen unter Druck. In der Branche wächst deshalb die Sorge vor spürbaren Folgen für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Vor allem in wirtschaftlich angespannten Zeiten gilt der Handwerkerbonus als wichtiges Instrument, um private Investitionen anzustoßen und legale Aufträge im Markt zu halten. Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks stärkt die Regelung nicht die Betriebe direkt, sondern setzt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an, indem sie legale Leistungen attraktiver macht und Schwarzarbeit sowie Steuerbetrug eindämmt.

Privater Sanierungsmarkt besonders betroffen

Für viele Betriebe im Ausbaugewerbe, bei Sanierungen und Modernisierungen ist die steuerliche Förderung ein wesentlicher Nachfragefaktor. Hauseigentümer kalkulieren Renovierungen, Badsanierungen, Dacharbeiten oder energetische Maßnahmen häufig unter Einbeziehung dieser Entlastung. Fällt der Anreiz weg, könnten Investitionen verschoben oder ganz gestrichen werden. Besonders kleine und mittlere Handwerksbetriebe wären davon betroffen, weil sie stark vom privaten Sanierungsmarkt abhängen. Sinkende Auftragseingänge würden sich unmittelbar auf Auslastung, Beschäftigung und Investitionsbereitschaft auswirken.

Schwarzarbeit könnte wieder zunehmen

Mit dem möglichen Wegfall des Handwerkerbonus verbindet das Handwerk auch die Gefahr eines Rückschlags im Kampf gegen illegale Beschäftigung. Ohne steuerliche Absetzbarkeit legaler Leistungen könnte der Anreiz steigen, Arbeiten ohne Rechnung und gegen Barzahlung ausführen zu lassen. Damit würde der Druck auf regulär arbeitende Betriebe wachsen. Gerade das Bau- und Ausbauhandwerk sieht sich seit Jahren mit unfairer Konkurrenz durch Schwarzarbeit konfrontiert. Eine Abschaffung der Förderung würde diesen Trend nach Einschätzung der Branche verschärfen.

Deutschland droht ein Sonderweg

Während in Deutschland über Kürzungen gesprochen wird, setzen andere Länder weiterhin auf vergleichbare Modelle. In Schweden wurde ein entsprechender Verbraucherbonus zuletzt ausgeweitet und vereinfacht, auch Österreich hat ein ähnliches Instrument eingeführt. Dort steht ebenfalls die Stärkung legaler Handwerksleistungen im Vordergrund. Eine Abschaffung in Deutschland würde deshalb nicht nur steuerpolitisch, sondern auch ordnungspolitisch ein deutliches Signal senden.

Haushaltsentscheidung mit Folgen für die Bauwirtschaft

Die anstehenden Haushaltsberatungen betreffen damit weit mehr als einzelne Steuervergünstigungen. Für Bauunternehmen, Ausbaugewerke und Fachhandwerker steht ein wichtiger Impulsgeber für private Investitionen zur Debatte. Zugleich geht es um die Frage, wie konsequent legale Beschäftigung, Gebäudemodernisierung und Mittelstand tatsächlich unterstützt werden. Eine Streichung des Handwerkerbonus würde Auftragslage, Wettbewerb und Sanierungstempo spürbar beeinflussen.

Quelle: www.meistertipp.de

  • Cordula Kiefer