3D-Betondruck soll Bauzeiten im Hochbau verkürzen

3D-Betondruck soll Bauzeiten im Hochbau verkürzen Bild: stock.adobe.com

3D-Betondruck soll Bauzeiten im Hochbau verkürzen

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In Selsingen in Niedersachsen entsteht derzeit ein zweigeschossiges Bürogebäude, dessen tragende Wände weitgehend automatisiert im 3D-Betondruck hergestellt werden. Das Projekt zählt zu den ersten dieser Art in Norddeutschland und dient künftig als Firmensitz der Matthäi Schlüsselfertigbau GmbH. Auf einer Grundfläche von rund 300 Quadratmetern werden die Wände im Erdgeschoss und Obergeschoss gedruckt, während Fundament, Decken und Dach konventionell ausgeführt werden. Für den Druck der Wände im Erdgeschoss wurden rund 50 Stunden benötigt, im Obergeschoss weitere 55 Stunden.

Potenzial für schnellere und präzisere Bauprozesse

Das Projekt verdeutlicht, wie digitale Bauverfahren Tempo, Präzision und Ressourceneffizienz im Hochbau verbessern können. Der automatisierte Wandbau kann Bauzeiten verkürzen und die Ausführungsqualität erhöhen. Vorteile ergeben sich insbesondere bei komplexen Geometrien. Anders als bei Fertigteilen erfolgt der Aufbau direkt auf der Baustelle, wodurch Transportkosten reduziert und Logistikprozesse vereinfacht werden können. Vor dem Hintergrund knapper Fachkräfte gilt die Technologie zudem als Möglichkeit, Personalressourcen gezielter einzusetzen.

Nachhaltigkeit und Materialentwicklung im Fokus

Ein zentraler Bestandteil des Vorhabens ist ein speziell entwickelter Trockenmörtel für 3D-Druck-Anwendungen. Nach Angaben der Projektbeteiligten soll die Materialentwicklung digitale Bauprozesse mit klimafreundlicheren Lösungen verbinden. Der präzise Materialeinsatz kann Abfälle reduzieren und die Nachhaltigkeit des Bauprozesses verbessern. Gleichzeitig bleibt die Branche gefordert, Baustoffe einzusetzen, die sowohl eine reibungslose Verarbeitung im Druckprozess als auch die notwendige Standfestigkeit gewährleisten.

Signalwirkung für die Bauwirtschaft

Das Projekt wird auch als strategisches Signal für die Bauwirtschaft bewertet. Es zeigt, wie Bauunternehmen mit digitalen Verfahren auf steigende Baukosten, Fachkräftemangel und Anforderungen an nachhaltiges Bauen reagieren können. Nach Einschätzung der Beteiligten eröffnet der 3D-Betondruck die Möglichkeit, Bauprozesse effizienter, wirtschaftlicher und nachhaltiger zu gestalten und sich frühzeitig auf eine stärker digitalisierte Baupraxis einzustellen.

Quelle: www.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer