Steueranreize sollen Wohnungsbau und Bauwirtschaft beleben

Steueranreize sollen Wohnungsbau und Bauwirtschaft beleben Bild: stock.adobe.com

Steueranreize sollen Wohnungsbau und Bauwirtschaft beleben

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Steuerliche Anreize für den Wohnungsbau könnten sich nach Einschätzung von Branchenexperten zu einem starken Konjunkturimpuls für die Bauwirtschaft entwickeln. Eine Studie der Prognos AG im Auftrag der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle kommt zu dem Ergebnis, dass gezielte steuerliche Förderinstrumente Milliardeninvestitionen auslösen, zusätzliche Arbeitsplätze sichern und die öffentlichen Haushalte kaum belasten könnten. Vor dem Hintergrund schwacher Neubauzahlen, hoher Finanzierungskosten und eines angespannten Wohnungsmarkts rückt damit ein politisches Instrument in den Fokus, das Bauunternehmen und Handwerksbetrieben neue Perspektiven eröffnen könnte. Untersucht wurden verschiedene Modelle zur Förderung selbstgenutzten Wohneigentums, darunter Steuerermäßigungen beim Neubau oder Erwerb, Zinsförderungen sowie Sonderabschreibungen für energieeffiziente Neubauten.

Milliardenimpulse für Bau und Handwerk

Die Analyse zeigt, dass steuerliche Entlastungen Investitionsentscheidungen unmittelbar beeinflussen können. Je nach Ausgestaltung könnten die Instrumente jährlich zusätzliche Investitionen zwischen rund 6 und 40 Milliarden Euro auslösen. Damit verbunden wären Produktionsimpulse von bis zu 76 Milliarden Euro pro Jahr sowie erhebliche Beschäftigungseffekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau. Für die Baupraxis würden zusätzliche Investitionen vor allem mehr Planungssicherheit und eine stabilere Auftragslage bedeuten. Besonders im Wohnungsbau könnten steuerliche Fördermodelle kurzfristig neue Projekte anstoßen und damit Kapazitäten im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe besser auslasten.

Zusätzliche Wohneinheiten und neue Aufträge

Laut Studie könnten bis zu 240.000 zusätzliche Wohneinheiten geschaffen werden, während bis zu 720.000 Haushalte zusätzlich Zugang zu Wohneigentum erhielten. Davon würden insbesondere mittelständische Bauunternehmen und Handwerksbetriebe profitieren. Mit der steigenden Nachfrage nach Neubauten, energetischen Standards und Modernisierungsleistungen entstünden zusätzliche Aufträge nicht nur im Rohbau, sondern auch für Fensterbauer, Fassadenspezialisten, Ausbauhandwerke und Anbieter energieeffizienter Gebäudetechnik. Zudem könnten Investitionsanreize dazu beitragen, Fachkräfte langfristig im Markt zu halten, weil kontinuierliche Bauaktivität saisonale Schwankungen abmildert.

Auch der Staat könnte profitieren

Nach Einschätzung des Gutachtens wären die fiskalischen Wirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen bemerkenswert. Zwar entstünden zunächst Steuermindereinnahmen, diese könnten jedoch durch zusätzliche wirtschaftliche Aktivität weitgehend kompensiert werden. Einnahmen aus Einkommensteuer, Mehrwertsteuer und Unternehmensbesteuerung sowie sinkende Sozialausgaben könnten teilweise sogar zu positiven Haushaltseffekten führen. Besonders effizient bewertet die Studie den Sonderausgabenabzug für energieeffiziente Neubauten, bei dem den staatlichen Kosten deutlich höhere Einnahmen gegenüberstehen.

Langfristige Rahmenbedingungen bleiben entscheidend

Die Autoren verweisen zugleich auf eine zentrale Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg steuerlicher Förderinstrumente. Entscheidend seien verlässliche, langfristige Rahmenbedingungen. Für die Bauwirtschaft bedeutet das politische Kontinuität, planbare Förderstrukturen und eine enge Abstimmung mit energie- und baurechtlichen Vorgaben. Sollten entsprechende steuerliche Instrumente umgesetzt werden, könnte der Wohnungsbau nicht nur zur Entspannung des Immobilienmarkts beitragen, sondern sich erneut als Wachstumsmotor für Bauunternehmen, Handwerk und industrielle Zulieferer etablieren.

Quelle: ww.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer