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Serielles Bauen soll Schulbaukrise entschärfen
Viele Schulen in Deutschland stehen unter erheblichem Druck. Fehlende Klassenräume, Ausweichquartiere in Turnhallen und ein großer Sanierungsbedarf prägen vielerorts den Alltag. Laut Kreditanstalt für Wiederaufbau werden rund 68 Milliarden Euro benötigt, um bestehende Mängel zu beheben. Gleichzeitig sollen die Schülerzahlen dem Kultusministerium zufolge bis 2035 um 758.000 steigen. Städte und Kommunen müssen daher schneller neue Bildungsräume schaffen und bestehende Gebäude modernisieren.
Trendreport sieht serielle Bauweise als Schlüssel
Der Trendreport Bildungsbau des Beratungsunternehmens Drees & Sommer SE untersucht den Zustand der Bildungsinfrastruktur in Deutschland und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. Eine zentrale Rolle nimmt dabei das serielle Bauen ein. Dabei werden Bauteile wie Wände, Decken oder Fassaden industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zu Gebäudeeinheiten zusammengesetzt. Durch parallele Produktionsabläufe können Bauzeiten verkürzt, Kosten stabilisiert und Materialien effizienter eingesetzt werden.
Flexible Schulen statt Einheitsarchitektur
Serielles Bauen muss nach Einschätzung der Fachleute nicht zu monotonen Gebäuden führen. Modulare Elemente können so kombiniert werden, dass funktionale und gestalterisch ansprechende Lernumgebungen entstehen. Besonders mit Blick auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Primarbereich ab dem Schuljahr 2026/27 gewinnen flexible Raumkonzepte an Bedeutung. Lernhaus- und Clusterkonzepte verbinden Klassenräume, offene Lernbereiche, Rückzugszonen und Flächen für Gruppenarbeit. Auch Licht und Akustik lassen sich in solchen Strukturen flexibel steuern.
Einheitliche Standards und digitale Planung nötig
Als Hemmnis gelten unterschiedliche Bauordnungen in den Bundesländern, die einheitliche Typen- und Modulbauten erschweren. Nach Einschätzung von Drees & Sommer braucht Deutschland einen gemeinsamen Rahmen für den seriellen Schulbau, der rechtliche, technische und pädagogische Standards stärker harmonisiert. Auch gebündelte Vergaben mehrerer Projekte, Schulungen für kommunale Bauämter sowie Leitfäden und regionale Weiterbildungsangebote könnten die Umsetzung erleichtern.
Phase Null und digitale Zwillinge im Fokus
Damit pädagogische und funktionale Anforderungen frühzeitig berücksichtigt werden, sollte die Phase Null fester Bestandteil serieller Schulbauprojekte sein. Zudem empfiehlt der Trendreport digitale Zwillinge für seriell errichtete Schulgebäude. Sie könnten Betriebsdaten liefern und dazu beitragen, Standardmodule weiterzuentwickeln. Digitale Monitoring-Systeme sollen unter anderem Informationen zu Energieverbrauch, Raumnutzung und Nutzerzufriedenheit erfassen.
Pilotprojekte zeigen praktische Umsetzung
Mehrere Städte erproben bereits serielle und modulare Ansätze im Schulbau. Berlin verfolgt mit seinen Standards für den Neubau von Schulen einen systematischen Ansatz auf Basis modularer Prinzipien. Dortmund setzt bei der Reinoldi-Gesamtschule auf ein modulares Holzbauprojekt und verbindet pädagogische Anforderungen mit architektonischen Modulen. Frankfurt am Main plant und realisiert drei baugleiche Grundschulen als Pilotprojekt, dessen Erfahrungen in einen übertragbaren Schulbautyp einfließen sollen.