Studie sieht Chancen für klimafreundliche Stahlproduktion in Deutschland

Studie sieht Chancen für klimafreundliche Stahlproduktion in Deutschland Bild: stock.adobe.com

Studie sieht Chancen für klimafreundliche Stahlproduktion in Deutschland

  • Nachhaltigkeit
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Deutsche Stahlunternehmen können mit klimafreundlich produziertem Stahl im internationalen Wettbewerb bestehen, wenn die industriepolitischen Rahmenbedingungen stimmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie der Ökonomen Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk von der Universität Mannheim. Notwendig seien unter anderem gedeckelte Preise für Industriestrom und grünen Wasserstoff, Investitionsförderung, öffentliche Beschaffungsregeln zugunsten europäischer Produktion sowie Schutzmechanismen gegen Stahl aus Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards.

Stahl als strategische Grundstoffindustrie

Die Studie betont die Bedeutung der Stahlindustrie für nachgelagerte Branchen wie Bauwirtschaft, Maschinenbau und Automobilindustrie. Rund zwei Drittel der Industriearbeitsplätze in Deutschland entfallen demnach auf stahlintensive Branchen. Ohne nennenswerte eigene Stahlproduktion drohten der deutschen Wirtschaft bei einem globalen Stahlschock erhebliche Wertschöpfungsverluste. Die Autoren verweisen dabei auf geopolitische Risiken und mögliche Lieferkettenprobleme.

Kosten für grünen Stahl berechnet

Für die Analyse nutzten die Forscher einen Levelised-Cost-of-Steel-Ansatz, der Betriebs- und Kapitalkosten über die Abschreibungsdauer einer Anlage je Tonne Rohstahl abbildet. Unter den vorgeschlagenen industriepolitischen Bedingungen ergeben sich für Primärstahl aus Direktreduktionsanlagen Kosten von rund 590 Euro je Tonne Rohstahl. Der durchschnittliche Marktpreis für Flachstahl lag in den vergangenen drei Jahren bei etwa 640 Euro je Tonne. Für klimafreundlichen Sekundärstahl aus Elektroöfen berechnet die Studie Kosten von rund 464 Euro je Tonne.

Strom- und Wasserstoffpreise entscheidend

Als zentrale Instrumente nennen die Autoren einen garantierten Industriestrompreis von 60 Euro je Megawattstunde bis 2035 sowie einen garantierten Bezugspreis für grünen Wasserstoff von 140 Euro je Megawattstunde. Für tarifgebundene Unternehmen schlagen sie zusätzliche Abschläge vor. Investitionsförderung in Form direkter Zuschüsse oder zinsgünstiger Kredite soll Anlagen für klimaneutrale Produktion wirtschaftlich tragfähig machen. Voraussetzung wären Standort- und Beschäftigungsgarantien.

Produktionslücke bis 2050

Um die erwartete jährliche Stahlnachfrage von 160 bis 180 Millionen Tonnen in der EU bis 2050 zu sichern, halten die Autoren in Deutschland ein Produktionsvolumen von 40 Millionen Tonnen klimafreundlichen Stahls für erforderlich. Jeweils die Hälfte soll auf CO2-arme Primärstahlproduktion und Sekundärstahl aus Stahlschrott entfallen. Derzeit geplante Investitionen reichen nach der Studie dafür nicht aus.

Absatz und Standortbindung sichern

Ergänzend plädieren die Forscher für Buy-European- beziehungsweise Local-Content-Regeln in der öffentlichen Beschaffung sowie Schutzmaßnahmen gegen Importe aus Ländern mit niedrigeren Arbeits- und Umweltstandards. Auch öffentliche Beteiligungen an strategisch wichtigen Stahlunternehmen sollten geprüft werden. Sie könnten Kapitalkosten senken, Transformationszusagen absichern und der öffentlichen Hand mehr Einfluss auf Standort- und Beschäftigungsfragen geben.