Im Wurzelraum für die Zukunftsstadt

Im Wurzelraum für die Zukunftsstadt

Im Wurzelraum für die Zukunftsstadt

  • Nachhaltigkeit
  • 4 Min

Im Blockseminar „Crazy Roots“ untersuchten über 30 Studierende der Landschaftsarchitektur die Wurzelsysteme von Pflanzen. Mit feinen Werkzeugen legten sie die unterirdischen Strukturen vorsichtig frei und hielten ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Zeichnungen fest. Ziel war es, das Bewusstsein für den verborgenen Raum im Boden zu schärfen, der für die Anpassung von Städten an den Klimawandel von zentraler Bedeutung ist.

Traditionelle Methode neu entdeckt

Die Arbeiten orientierten sich an einer Methode, die bereits im frühen 20. Jahrhundert entwickelt wurde und durch die Botanikerin Lore Kutschera geprägt ist. Im Gegensatz zu modernen Verfahren, bei denen Pflanzen aus dem Boden entfernt werden, bleibt die Pflanze hier erhalten. Diese Vorgehensweise erlaubt Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Wurzeln, Boden und Umweltbedingungen – wertvolles Wissen für die Praxis der Landschaftsarchitektur.

Forschung und Lehre verzahnt

Die Versuchsflächen des Seminars stammen aus früheren Forschungsprojekten zur klimaangepassten Infrastruktur und biodiversen Pflanzungen. Die Studierenden erhielten dadurch die Möglichkeit, praxisnahe Aufgaben zu übernehmen, die zugleich in die wissenschaftliche Weiterarbeit einfließen. Neben den zeichnerischen Dokumentationen entstand ein Forschungstagebuch, das Methoden, Standortbedingungen und Reflexionen festhält. Die Ergebnisse sollen künftig in einer Ausstellung präsentiert werden.

Wurzeln als Schlüssel für klimaresiliente Städte

Wurzeln sind entscheidend für die Stabilität von Bäumen, die Speicherung und Versickerung von Regenwasser sowie den Austausch mit Bodenorganismen. Besonders bei Dach- und Fassadenbegrünungen spielt das Wurzelverhalten eine zentrale Rolle für das langfristige Überleben der Pflanzen. Ein Umdenken in der Stadtplanung hin zu einer stärker wurzelorientierten Perspektive gilt als Voraussetzung für die Entwicklung lebenswerter, widerstandsfähiger Städte.

Praxisnahe Erfahrungen für Studierende

Die Studierenden schätzten das Seminar als praxisorientierte Abwechslung zum Uni-Alltag. Das direkte Arbeiten im Erdreich vermittelte ihnen neue Einblicke in die Funktionsweise von Pflanzen und deren Anpassung an unterschiedliche Bodenverhältnisse. Diese Erfahrungen verdeutlichten, wie wichtig es ist, Pflanzen als komplexe Systeme zu begreifen.

Ein Beitrag für die Stadt von morgen

Das Seminar steht beispielhaft dafür, wie Universitäten Forschung, Lehre und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden können. Die Erkenntnisse sollen künftig in Bauprozesse und politische Entscheidungen einfließen, um Städte nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten.