Geotextilien und Dachbahnen aus Rezyklaten und Biopolymeren
Ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Clusters Circular Plastics Economy (CCPE) zeigt, wie Kunststoffrezyklate und Biopolymere aus bislang kaum genutzten Abfallströmen für hochwertige Anwendungen im Bauwesen nutzbar gemacht werden können. Im Projekt Zirk-Tex untersuchten mehrere Fraunhofer-Institute die komplette Wertschöpfungskette von der Sortierung über Recyclingverfahren bis zur Verarbeitung zu Fasern, Vliesen, Folien und Membranen. Ziel ist, Dachbahnen und Geokunststoffe aus recyceltem Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) herzustellen, die mit Neuware konkurrieren können.
Textile Anwendungen stellen hohe Anforderungen an Rezyklate
Das Projekt verweist darauf, dass textile Produkte deutlich höhere Anforderungen an die Materialqualität stellen als klassische Spritzgussbauteile. Evgueni Tarkhanov vom Fraunhofer IAP erläutert, dass die Fertigung textiler Produkte wie Vliese für Dachbahnen wesentlich schwieriger sei, da Fadenbildungsprozesse sehr hohe Anforderungen an Rezyklate stellten. Schon kleinste Verunreinigungen könnten zu Filamentabrissen führen und Produktionsstillstände verursachen, was als Kostenrisiko gilt und Hersteller abschrecken könne.
Pilotmaßstab und Recyclingverfahren für sortenreine Rezyklate
Um diese Hürden zu überwinden, bildet das Fraunhofer-Team die gesamte Prozesskette im Pilotmaßstab ab. Projektleiter Christian Schütz vom Fraunhofer LBF beschreibt, dass die Kette für PP und PET von der Betrachtung der Sortierung über innovative Recyclingmethoden bis hin zur Anwendung abgebildet werden könne. Genannt werden unter anderem lösungsmittelbasierte Recyclingverfahren sowie die chemische Glykolyse von PET, die besonders sortenreine Rezyklate ermöglichen soll.
Lebenszyklusanalysen und Verfügbarkeit von Abfallströmen
Begleitende Lebenszyklusanalysen zeigen laut Projekt eine bessere Klimabilanz der entwickelten Wertschöpfungsketten für Rezyklate und Biopolymere im Vergleich zum Einsatz von Neukunststoffen. Gleichzeitig kommt das Projekt zu dem Ergebnis, dass ausreichende Mengen an PP- und PET-Abfällen verfügbar sind; als weiterer Bedarf wird genannt, Logistik und Sortierung auszubauen, um den Zugriff zu erleichtern.
Bioabbaubare Geotextilien für temporäre Anwendungen
Neben Rezyklaten stehen Biopolymere im Fokus. Aus PLA und PBS entwickelten die Forschenden schadstofffreie Fasern für bioabbaubare Geotextilien, etwa für Baustraßen, Böschungssicherungen oder temporäre Stabilisierungen. Durch gezielte Additivierung soll sich der Abbau steuern lassen, ohne Gebrauchseigenschaften zu beeinträchtigen; Schütz berichtet, dass für PLA und PBS Fasern mit kontrolliertem und einstellbarem Abbauverhalten hergestellt wurden. Daraus leitet der Beitrag Perspektiven für Dachbahnen und Geokunststoffe ab, die technische Anforderungen, Umweltverträglichkeit und wirtschaftliche Aspekte verbinden sollen.
Quelle: www.meistertipp.de