Dezentrale Wasserwiederverwendung für kommunalen Resilienz
Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen auch bei Störungen funktionieren. Zum KRITIS-Sektor Wasser zählen unter anderem Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser sowie Abwasserbeseitigung, Abwasserbehandlung, Siedlungsentwässerung und die Steuerung sowie Überwachung dieser Systeme. Zugleich rücken physische und digitale Risiken stärker in den Fokus; EU-Vorgaben und nationale Maßnahmen verschärfen die Anforderungen an den Schutz kritischer Infrastruktur.
Zentrale Systeme bleiben Rückgrat, dezentrale Bausteine entlasten
Dezentrale Lösungen wurden lange als Konkurrenz zur zentralen Infrastruktur gesehen, weil geringere Volumina bei weitgehend fixen Netz- und Anlagenkosten zu Spannungen in der Gebührenlogik führen können. In der Systemlogik werden sie jedoch als Ergänzung eingeordnet: zentrale Systeme sichern Qualität und Versorgung für alle, dezentrale Ansätze schaffen lokale Pufferspeicher, reduzieren Spitzenlasten und liefern zusätzliche Wasserquellen für definierte Nutzungen wie WC, Bewässerung oder Reinigung.
Redundanz für Störungen und Notbetrieb
Als Vorteil dezentraler Systeme wird die Risikostreuung genannt: Mehrere lokale Einheiten verringern die Abhängigkeit von einzelnen Knoten. Zudem können nicht-trinkwasserrelevante Anwendungen im Notbetrieb lokal abgesichert werden. Mess- und Überwachungskonzepte sollen den sicheren Betrieb unterstützen, insbesondere bei definierten Hygieneanforderungen.
Schwammstadt und Regenwassermanagement gegen Starkregen und Hitze
Dezentrales Regenwassermanagement über Retention, Versickerung und Nutzung setzt dort an, wo Belastungen entstehen, auf Grundstücks- und Quartiersebene. Schwammstadt-Ansätze sollen Abflussspitzen reduzieren, Stoffeinträge mindern, Grundwasserneubildung unterstützen und durch Verdunstung zur Kühlung beitragen. Dadurch können kommunale Ausbaumaßnahmen je nach Situation verschoben oder gezielter umgesetzt werden.
Umsetzung: Quartierlösungen und Betriebsmodelle
Als praxistauglich werden Quartierslösungen statt Einzelanlagen, Betreiber- und Contracting-Modelle mit geregelter Wartung und Monitoring, Anreizsysteme im Regenwasserbereich innerhalb lokaler Satzungen sowie Pilotprogramme mit messbaren Zielgrößen beschrieben. Als Beispiel wird das Aachener Forschungs- und Entwicklungsbündnis AIX-Net-WWR genannt.