Bauwirtschaft 2035: Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Bauwirtschaft 2035: Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Bauwirtschaft 2035: Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

  • Nachhaltigkeit
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Nachhaltigkeit, zirkuläres Bauen und neue CO2-arme Baustoffe verändern die Bauwirtschaft und entwickeln sich zum entscheidenden Faktor für die Zukunft. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult zeichnet ein Szenario für das Jahr 2035 und beschreibt Baustellen, die sich in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern werden. Statt einer Bau-Monokultur erwartet die Studie einen vielfältigen Baumaterialienmix, der klassische Baustoffe, innovative Produktalternativen und zirkuläre Ansätze verbindet und Bauunternehmen sowie Handwerksbetriebe vor neue strategische, technische und wirtschaftliche Entscheidungen stellt.

Politischer Fokus verschiebt sich Richtung graue Energie

Im Zentrum der Analyse steht eine Verschiebung in der Bau- und Energiepolitik: Während bislang vor allem die Betriebsenergie von Gebäuden im Mittelpunkt stand, rücken graue Energie, Lebenszyklusbetrachtungen und EU-weite Klimavorgaben stärker in den Vordergrund. Damit gewinnt das Bauen im Bestand deutlich an Bedeutung. Digitale Werkzeuge unterstützen diesen Trend, indem sie eine präzisere Erfassung von Gebäuden und Materialbeständen ermöglichen und neue Spielräume für Urban Mining eröffnen.

Zirkuläres Bauen wird zum Standardthema

Kreislaufwirtschaftliche Ansätze profitieren laut Studie mehrfach von der Entwicklung. Urban Mining, modulare Bauweisen und digitale Planung werden demnach häufiger gemeinsam gedacht, um Baustoffe länger im Kreislauf zu halten und unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten zu werden. Zirkuläres Bauen soll dadurch deutlich an Relevanz gewinnen und im Jahr 2035 nicht mehr als Nischenthema gelten.

Neue Baustoffe und Massivbau unter Klimadruck

Besonders unter Veränderungsdruck stehen klassische Massivbaustoffe, die als zentrale Hebel zur Senkung der CO2-Emissionen im Bausektor beschrieben werden. BauInfoConsult verweist auf Fortschritte in der Materialforschung, unter anderem bei zementfreien Betonen und alternativen Bindemitteln. Bereits heute verfügbare Geopolymere sollen laut Studie bei der Herstellung bis zu 90 Prozent weniger CO2 verursachen und teilweise auf Bauabfällen basieren; parallel rücken regenerative Baustoffe in den Fokus, darunter Gräser wie Hanf, Miscanthus oder Stroh mit kurzen Wachstumszeiten und vergleichsweise guter Ökobilanz.

Holzbau wächst, bleibt aber begrenzt

Der Holzbau bleibt laut Studie ein wichtiger Bestandteil des künftigen Baumaterialienmixes und könnte seine Marktanteile bis 2035 ausbauen. Eine Dominanz gegenüber massiven Bauweisen wird jedoch nicht prognostiziert, sofern klimaneutral optimierte Betone und reststoffbasierte Materialien erfolgreich im Markt etabliert werden und die Materialverfügbarkeit im Holzbau eine natürliche Grenze setzt.

Geschäftsmodelle und Baustellenorganisation im Umbruch

Nachhaltigkeit verändert nach Darstellung der Studie auch Strukturen entlang der Baukette. Hersteller entwickeln zunehmend Systemlösungen, digitale modellbasierte Planung ordnet die Baustellenlogistik neu, und Kooperationen zwischen Planern, Bauunternehmen, Handwerk und Industrie werden enger sowie datengetriebener. Damit deutet sich eine Transformation an, die neben technischen auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die gesamte Bauwirtschaft haben wird.

Quelle: www.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer