Bauunternehmen müssen bei Digitalisierung und KI umdenken

Bauunternehmen müssen bei Digitalisierung und KI umdenken Bild: stock.adobe.com

Bauunternehmen müssen bei Digitalisierung und KI umdenken

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Die Bauwirtschaft bleibt in einer schwierigen Lage. Klaus-Peter Stöppler bewertet die Bilanz nach rund anderthalb Jahren neuer Bundesregierung ernüchternd und warnt davor, auf grundlegende wirtschaftspolitische Impulse aus Berlin zu setzen. Unternehmen sollten ihre Wettbewerbsfähigkeit stattdessen selbst stärken, Prozesse modernisieren und technologische Chancen gezielter nutzen. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könne diese Haltung entscheidend sein, um die aktuelle Marktschwäche zu überwinden und langfristig profitabel zu bleiben. Wer weiter auf Hilfsprogramme oder strukturelle Entlastungen hoffe, gehe aus seiner Sicht ein erhebliches Risiko ein.

Ungenutzte Potenziale in den Betrieben

Nach Beobachtung des Interim Managers liegen die Probleme vieler Unternehmen nicht nur in der Marktsituation, sondern vor allem in internen Strukturen. In zahlreichen Betrieben blieben erhebliche Potenziale ungenutzt, etwa bei der Generierung von Aufträgen, der Verbesserung von Prozessen, der Einführung von Innovationen und der Senkung von Kosten. Stöppler sieht insbesondere im Vertrieb und in der Organisation Verbesserungsbedarf. Kundendaten würden häufig nicht systematisch ausgewertet, Angebote kämen zu spät oder ohne klare Differenzierung. Viele Abläufe seien zudem noch immer so organisiert wie vor zehn Jahren, obwohl Digitalisierung und Automatisierung längst neue Möglichkeiten eröffnet hätten.

KI wird bislang nur begrenzt eingesetzt

Auch beim Einsatz moderner Technologien sieht Stöppler deutlichen Nachholbedarf. Studien zufolge nutzen in Deutschland nur rund 20 bis 25 Prozent der Bauunternehmen KI-Technologien, in den USA liege der Anteil dagegen bereits bei knapp 40 Prozent. Dabei beschränke sich der Einsatz hierzulande oft auf einfache Anwendungen in Bürosoftware. KI-Funktionen in Programmen wie Word oder Excel könnten zwar bereits beim Formulieren oder Kalkulieren von Bewerbungen auf Ausschreibungen unterstützen, doch dies bilde nach Einschätzung des Experten nur einen kleinen Teil der möglichen Effizienzgewinne ab.

Innovationen kommen nur langsam in der Branche an

Ähnlich zurückhaltend bewertet Stöppler den Einsatz digitaler Planungsmethoden. Building Information Modeling etabliere sich zwar langsam, werde aber noch nicht flächendeckend genutzt. Weniger als ein Fünftel der Bau- und Ausbauunternehmen arbeite derzeit mit entsprechender Software. Zugleich gebe es Fortschritte beim seriellen und modularen Bauen. Mehr als ein Viertel der neuen Wohngebäude werde inzwischen mit vorgefertigten Bauelementen errichtet, was Bauzeiten verkürzen und Kosten senken könne. Langfristig erwartet Stöppler noch größere Veränderungen durch automatisierte Bauverfahren wie den 3D-Betondruck. Ungeachtet dieser Entwicklungen blieben bürokratische Genehmigungsverfahren, personell überlastete Bauämter und die unzureichende Digitalisierung der Verwaltung zentrale Hemmnisse. Für Bauunternehmen führe deshalb kein Weg daran vorbei, die eigene Wettbewerbsfähigkeit konsequent zu stärken und neue Technologien aktiv zu nutzen.

Quelle: www.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer