Bauforscher fordern Reform der Baunormen

Bauforscher fordern Reform der Baunormen Bild: stock.adobe.com

Bauforscher fordern Reform der Baunormen

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Der Wohnungsbau in Deutschland könnte nach Einschätzung führender Bauforschungsinstitute schneller und günstiger vorankommen. Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen und das Institut für Bauforschung sehen jedoch in ausufernden Baunormen einen wesentlichen Grund für hohe Baukosten, sinkende Neubauzahlen und die anhaltende Wohnungsbaukrise. Mit einfacheren und praxistauglicheren Standards könnten nach ihrer Analyse bis zu ein Drittel mehr Wohnungen entstehen.

Kosten seit 2000 stark gestiegen

Nach Berechnungen der Institute sind die Kosten für den Neubau von Wohnungen seit dem Jahr 2000 bundesweit um rund 245 Prozent gestiegen. Rund ein Fünftel dieses Anstiegs führen die Forscher auf höhere Normenstandards zurück. Allein dadurch seien Mehrkosten von rund 600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche entstanden. Würden unnötige Vorgaben reduziert, könnten die Gesamtkosten nach Einschätzung der Experten um etwa 1.000 Euro je Quadratmeter sinken.

Normen werden faktisch verpflichtend

Kritisiert wird auch, dass zahlreiche technische Normen über gesetzliche Regelungen faktisch verpflichtend werden, obwohl sie ursprünglich als technische Empfehlungen gedacht waren. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Projektentwickler bedeutet dies steigende Planungs- und Ausführungskosten sowie höhere Haftungsrisiken. Mit einem Normen-Notruf wollen ARGE und IFB eine grundlegende Reform der Baunormung anstoßen.

Mehr Aufwand bei Nachweisen

Als Beispiel nennen die Institute die Schallschutzvorschriften. Seit 2015 hätten sich Aufwand und Kosten für erforderliche Nachweise verdreifacht. Bereits geringfügige Abweichungen könnten erhebliche Mehrkosten verursachen oder dazu führen, dass geplante Bauteile wie Balkone nicht umgesetzt werden. Auch bei der Energieeffizienz beobachten die Forscher eine Entwicklung hin zu technisch immer aufwendigeren Gebäuden.

Komplexität erhöht Schadensrisiken

Nach Einschätzung des IFB führt die wachsende technische Komplexität nicht automatisch zu langlebigeren oder schadensfreieren Gebäuden. Im Gegenteil nehme die Zahl kostspieliger Bauschäden trotz steigender Anforderungen zu. Als Ursache nennen die Forscher komplexere Planung, schwierigere Ausführung und höheren Wartungsaufwand.

Gebäudetyp E als Basisstandard

ARGE und IFB schlagen einen flächendeckenden Basisstandard nach dem Prinzip des Gebäudetyps E vor. Ziel ist ein robuster, funktionaler und wirtschaftlicher Wohnungsbau mit weniger technischer Überfrachtung. Zusätzliche Ausstattungsmerkmale sollen weiterhin möglich sein, aber nur auf ausdrücklichen Wunsch des Bauherrn. Zudem fordern die Institute ein eigenes Gebäudetyp-E-Gesetz sowie eine unabhängige Prüfung neuer DIN-Normen auf Baukosten und Praxistauglichkeit.

Quelle: www.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer