Westbalkanregelung: Baugewerbe warnt vor Halbierung des Kontingents

Westbalkanregelung: Baugewerbe warnt vor Halbierung des Kontingents Bild: stock.adobe.com

Westbalkanregelung: Baugewerbe warnt vor Halbierung des Kontingents

  • Politik
  • 4 Min

Die Bundesregierung will das jährliche Kontingent der Westbalkanregelung ab 2027 von 50.000 auf 25.000 Personen reduzieren. Erst im Juni 2024 war es von 25.000 auf 50.000 Zustimmungen verdoppelt worden. Die Regelung ermöglicht Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Voraussetzung ist ein konkretes Arbeitsplatzangebot, eine bestimmte berufliche Qualifikation ist nicht erforderlich.

Die Baubranche ist größter Nutzer der Regelung

Laut Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) entfällt rund ein Drittel der Visa für Arbeitskräfte aus dem Westbalkan auf die Bauwirtschaft. Nach Berechnungen des Verbands könnten der Branche bereits bis zum Jahresende rund 8.000 Arbeitskräfte fehlen. Die Nachfrage ist hoch: Das Kontingent für 2025 war laut ZDB schon Ende November ausgeschöpft. Die Bundesagentur für Arbeit erteilte im vergangenen Jahr 105.000 Zustimmungen. Wegen langer Wartezeiten bei den Visastellen führe aber nicht jede Zustimmung zu einer Einreise.

Der ZDB sieht einen Widerspruch zu den Investitionsplänen

Der Bund stellt hohe Mittel für Brücken, Schienen und Wohnungen bereit, während in vielen Betrieben bereits Arbeits- und Fachkräfte fehlen. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa kritisiert, der Bund finanziere mit dem Sondervermögen Milliardenprojekte und kürze zugleich den Zugang für die Menschen, die diese Projekte bauen sollen. Mit der Halbierung bremse die Bundesregierung den Aufschwung, den sie selbst finanziere.

Auch Fachkräfte wären betroffen

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums arbeiten 58 Prozent der Beschäftigten aus den Westbalkanstaaten als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten. Eine geringere Zuwanderung könnte deshalb auch qualifizierte Tätigkeiten am Bau betreffen.

Der Verband fordert, das Kontingent zu erhalten

Der ZDB fordert, das Kontingent von 50.000 mindestens beizubehalten. Zudem sollen Visaverfahren digitalisiert und beschleunigt werden. Der Verband bringt außerdem eine Ausweitung der Regelung auf weitere Herkunftsländer ins Gespräch. So soll verhindert werden, dass fehlendes Personal zum Engpass für die geplanten Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur wird.

Quelle: www.meistertipp.de