TU Berlin erforscht Einfluss von Städten auf das Gehirn

TU Berlin erforscht Einfluss von Städten auf das Gehirn Bild: stock.adobe.com

TU Berlin erforscht Einfluss von Städten auf das Gehirn

  • Digitalisierung & Technik
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Klaus Gramann, Leiter des Fachgebiets Biopsychologie und Neuroergonomie an der TU Berlin, erhält einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats. Mit 2,75 Millionen Euro wird das Forschungsprojekt URBRAIN gefördert. Es untersucht, wie städtische Umgebungen auf das menschliche Gehirn wirken und welche Stadträume Stress verstärken oder Erholung und Wohlbefinden fördern.

Neurourbanismus als Forschungsfeld

Das Projekt ist im Neurourbanismus angesiedelt, einem Forschungsfeld an der Schnittstelle von Neurowissenschaften, Psychologie, Stadtplanung und Gesundheitsforschung. Hintergrund ist, dass immer mehr Menschen in Städten leben, während psychische Belastungen und stressbedingte Erkrankungen weltweit zunehmen. URBRAIN soll wissenschaftliche Grundlagen für gesündere und lebenswertere Städte schaffen.

Messungen in realen Stadträumen

Das Forschungsteam kombiniert mobile Messungen der Hirnaktivität mit Elektroenzephalographie in realen Stadträumen mit Magnetresonanztomographie im Labor. Ergänzend werden Verhaltensdaten und Umgebungsinformationen erfasst. Ziel ist es, unmittelbare Reaktionen auf Straßen, Plätze, Gebäude oder Grünflächen ebenso zu untersuchen wie kurz- und langfristige strukturelle Veränderungen des Gehirns.

Datenbank urbaner Umgebungen

Ein Arbeitspaket sieht den Aufbau einer frei zugänglichen Datenbank urbaner Umgebungen vor. Dafür werden reale Stadträume mit Verfahren des maschinellen Lernens und räumlichen Analysen erfasst und kategorisiert. Die Datenbank soll 360-Grad-Videos von Berliner Plätzen samt Geräuschen enthalten und Anteile bebauter Flächen, Grünelemente, Fahrzeuge und Menschen quantifizieren. Langfristig sollen Aufnahmen weiterer internationaler Metropolen hinzukommen.

Vergleich von Labor und Stadt

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Vergleich von Laborexperimenten, virtuellen Realitäten und realen Stadterkundungen. Messungen an Berliner Plätzen werden mit virtuellen Repräsentationen im Labor verglichen. Dadurch soll überprüft werden, wie repräsentativ Laboruntersuchungen für das tatsächliche Erleben in Städten sind. Mobile EEG-Messungen werden mit MRT-Aufnahmen vor und nach Erfahrungen im Stadt- oder Grünraum kombiniert.

Grundlagen für Planung und Gesundheit

Im dritten Arbeitspaket entwickelt das Team Verfahren, um Hirnaktivität, Verhalten und Merkmale der Umgebung gemeinsam auszuwerten. Daraus sollen Werkzeuge entstehen, mit denen Belastungs- und Erholungsprozesse in urbanen Räumen präziser erfasst werden können. Mit einem Open-Science-Ansatz will URBRAIN Daten, Methoden und Werkzeuge der internationalen Forschung zugänglich machen und langfristig Impulse für Stadtplanung, Gesundheitswesen und politische Entscheidungen liefern.