Produktivität am Bau: Rechnerisch fehlen 2,3 Millionen Wohnungen

Produktivität am Bau: Rechnerisch fehlen 2,3 Millionen Wohnungen Bild: stock.adobe.com

Produktivität am Bau: Rechnerisch fehlen 2,3 Millionen Wohnungen

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Hätte die Bauwirtschaft bei der Produktivität mit der Gesamtwirtschaft Schritt gehalten, wären zwischen 1991 und 2019 rechnerisch rund 2,3 Millionen Wohnungen zusätzlich entstanden. Das entspräche Wohnraum für 4,3 Millionen Menschen. Darauf machen das Schweizer Start-up Benetics AI und der Bundesverband Digitales Bauwesen (BDBau) aufmerksam. Zur Eröffnung der Fachmesse gedatec in Berlin enthüllten sie ein Ortsschild der fiktiven Stadt “Hättehausen”. Grundlage sind Daten des Statistischen Bundesamts. Es handelt sich um ein theoretisches Szenario, nicht um tatsächlich verhinderte Wohnungen.

Das Ausbaugewerbe verliert 28 Prozent

Zwischen 1991 und 2019 stieg die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigem in der Gesamtwirtschaft um 28 Prozent. Im Ausbaugewerbe sank sie dagegen um 28 Prozent. Dazu gehören unter anderem Elektroinstallation, Sanitär, Heizung und Trockenbau. Der Hochbau legte um sieben Prozent zu, der Tiefbau um 30 Prozent. Da rund drei Viertel der Erwerbstätigen im Baugewerbe im Ausbau arbeiten, wiegt diese Entwicklung schwer. Je Arbeitsstunde lag die reale Produktivität der Bauwirtschaft 2019 etwa zwölf Prozent unter dem Niveau von 1991. Die Gesamtwirtschaft legte im selben Zeitraum um 44 Prozent zu.

Zeit geht zwischen Baustelle und Büro verloren

Als Ursachen gelten neben aufwendigen Genehmigungsverfahren, gesetzlichen Anforderungen und Fachkräftemangel auch ineffiziente Abläufe. Vor allem die Abstimmung zwischen Baustelle und Büro kostet viele Arbeitsstunden. Laut Roland Gerwing, Geschäftsführer des Elektro- und SHK-Betriebs Gerwing Söhne, geht die Zeit beim Dokumentieren, Suchen, Nachfragen und Nacharbeiten verloren, etwa wegen veralteter Pläne. Sein Betrieb nutzt dafür Benetics AI.

Digitale Werkzeuge sollen im Alltag ankommen

Anwendungen zur mobilen Dokumentation, automatisierten Berichterstellung und gemeinsamen Verwaltung von Bauplänen sollen Informationsverluste und Nacharbeiten reduzieren. Laut Roland Riethmüller, geschäftsführender Vorstand des BDBau, wird Digitalisierung in den ausführenden Gewerken am dringendsten gebraucht. Dort hätten digitale Werkzeuge das größte Potenzial, sie müssten aber auch im Alltag ankommen. Die Initiative soll zeigen, dass höhere Produktivität nicht allein durch mehr Fachkräfte oder schnellere Genehmigungen entsteht, sondern auch durch durchgängige digitale Prozesse.

Quelle: www.meistertipp.de