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Baden-Württemberg: Bauwirtschaft fordert Stopp neuer Bauvorschriften
Von Januar bis Juli 2026 stieg der Umsatz im Wohnungsbau in Baden-Württemberg nominal nur um 1,7 Prozent. Die Baufertigstellungen fielen 2025 auf 25.565 Neubauwohnungen, den niedrigsten Stand seit 2010. Laut Markus Böll, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, ist der Bedarf enorm. Zu viele Projekte rechneten sich aber nicht mehr oder scheiterten an neuen Vorgaben und hohen Zusatzkosten.
Genehmigungen und Abgaben machen über 18 Prozent aus
Als wesentlichen Kostentreiber sieht die Bauwirtschaft Vorschriften, Nachweise und Abgaben. Böll nennt als Beispiel ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche. Genehmigungen, Nachweise, Gutachten, Notarkosten, Grundbucheintragung und Grunderwerbsteuer summieren sich dort auf 82.800 Euro. Bei Gesamtbaukosten von 450.000 Euro sind das mehr als 18 Prozent. Hinzu kommen Belastungen durch energetische Anforderungen und technische Baubestimmungen, die immer weiter verschärft wurden.
Bund und Land sollen Bauen vereinfachen
Böll fordert, keine zusätzlichen Belastungen mehr einzuführen. Der geplante BW-Standard und das Gebäudetyp-E-Gesetz des Bundes könnten wichtige Schritte sein, sofern sie sinnvoll ausgestaltet werden. Zudem appelliert er an das Land, das Programm “HeimVorteil BW” zügig umzusetzen. Es sieht vor, Familien beim Ersterwerb von Wohneigentum die Grunderwerbsteuer zu erstatten. Ebenso wichtig sei die von Grün-Schwarz angekündigte Aufstockung der Landesmittel für die soziale Wohnraumförderung auf das Niveau der Bundesförderung.
Viele Bestandsgebäude sind energetisch ineffizient
Rund 90 Prozent der Bestandsgebäude sind laut Landesvereinigung energetisch ineffizient und unzureichend gedämmt. Viele sind zudem schlecht auf längere Hitzeperioden vorbereitet. Laut Rainer König, stellvertretender Präsident der Landesvereinigung, haben vor allem Gebäude, die vor 1977 errichtet wurden, hohen Sanierungsbedarf. Mehr als die Hälfte der angebotenen Einfamilienhäuser habe eine Energieeffizienzklasse schlechter als E.
Die Gebäudehülle soll stärker gefördert werden
Angesichts der rückläufigen Sanierungsquote fordert die Bauwirtschaft stärkere Anreize für die Modernisierung von Gebäudehüllen. Nach Einschätzung von König schützt eine gute Dämmung im Sommer vor Überhitzung und senkt im Winter den Heizenergiebedarf. Zudem schaffe sie die Grundlage für den effizienten Einsatz erneuerbarer Heizenergie. Das Land solle die Sanierung der Gebäudehülle deshalb gezielt unterstützen.