Neuromessungen sollen Innenstädte stärker am Menschen ausrichten
Das Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre der Technischen Universität Darmstadt hat in Kooperation mit Midstad das Arbeitspapier Nr. 58 Humanize – Neurowissenschaftliche Messmethoden zu menschenzentrierten Innenstadtkonzepten vorgelegt. Die Studie untersucht, wie objektive Messverfahren das emotionale und kognitive Erleben von Menschen in städtischen Räumen sichtbar machen und welche Potenziale sich daraus für Planung, Gestaltung und Investitionsentscheidungen ergeben.
Methoden und Abgrenzung zu klassischen Bewertungsansätzen
Nach Darstellung der Studie bleiben herkömmliche Bewertungsansätze häufig an der Oberfläche. Neurowissenschaftliche Verfahren wie Eyetracking, Hautleitfähigkeitsmessung und EEG sollen dagegen unmittelbare Reaktionen auf bauliche und funktionale Elemente erfassen und damit zeigen, wie Stadt wirkt. Prof. Dr. Andreas Pfnür betont, dass die Methoden helfen könnten, den Zusammenhang zwischen gebautem Raum und menschlichem Empfinden objektiv zu verstehen, um Entscheidungen zu ermöglichen, die ökonomisch sowie sozial und emotional tragfähig sind.
Werkzeugkasten für den Immobiliensektor
Das Forschungsteam wertete laut Studie mehr als 120 internationale Quellen aus und verglich verschiedene Messmethoden hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit im Immobiliensektor. Ergebnis ist ein methodischer Werkzeugkasten, der menschliches Erleben quantifizierbar machen soll, etwa bei der Planung neuer Quartiere, der Sanierung von Bestandsobjekten oder der Bewertung von ESG-Kriterien. Dr. Kevin Meyer, Geschäftsführer von Midstad, ordnet die Verbindung von Neurowissenschaft und Immobilienwirtschaft als Ansatz ein, um Räume zu gestalten, die emotional binden, funktional überzeugen und langfristig Werte schaffen.
Implikationen für Planung, Kommunikation und ESG
Die Untersuchung beschreibt, dass sich emotionale Reaktionen auf Architektur, Nutzungsmischung, Begrünung oder Materialität messbar unterscheiden lassen. Auf Basis objektiver Daten könne Stadtplanung evidenzbasiert erfolgen und von subjektiven Einschätzungen zu belegbaren Wirkungszusammenhängen wechseln. Als praxisbezogene Erkenntnisse nennt die Studie eine wissenschaftliche Grundlage für menschenzentrierte Stadtentwicklung, bessere Unterstützung von Planung, Genehmigung und Kommunikation sowie die Integration menschlicher Reaktionen als messbare Dimension in ESG-Strategien.