BCG und NABU: Deutschland verliert Wasser
Deutschland leidet laut einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) unter Wasserstress und hat seit Anfang der 2000er Jahre rund 60 Milliarden Kubikmeter aus Grundwasser und Wasserspeichern verloren, was dem Volumen des Bodensees entspricht. Ohne wirksames Gegensteuern drohten bis 2050 jährliche Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro durch Trockenheit, Flutschäden und Wasserverschmutzung; das sei mehr als 75 Prozent der geplanten Ausgaben für den Klima- und Transformationsfonds im Jahr 2026. Für die nächsten 25 Jahre beziffert die Studie die volkswirtschaftlichen Kosten auf 500 bis 625 Milliarden Euro und stellt dem geschätzte frühzeitige Investitionen von 15 bis 20 Milliarden Euro gegenüber.
Studienansatz und Einordnung
Die Untersuchung mit dem Titel Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance basiert nach Angaben der Autoren auf einer Meta-Analyse zu Wasser im deutschsprachigen Raum kombiniert mit eigenen Datenanalysen. Sie zielt darauf, Wege zur Wiederherstellung der Versorgungssicherheit bei der Ressource Wasser aufzuzeigen und stellt exemplarische Lösungen vor; Torsten Kurth, Managing Director & Senior Partner bei BCG, ordnet Wasser dabei als strategische Ressource ein und fordert einen stärkeren Fokus auf Wasserkreisläufe, nationale Wasserbilanz und Indikatoren.
Ursachen in Landnutzung und veränderten Niederschlagsmustern
Als Treiber des Wasserstresses nennt die Studie unter anderem Entwässerungsinfrastruktur, verdichtete Äcker und naturferne Wälder, die Dürre- und Flutrisiken zugleich verstärkten, weil Niederschlagswasser in der Landschaft weniger zurückgehalten werde und weniger versickere. Zusätzlich würden veränderte Niederschlagsmuster mit mehr Starkregen und längeren Trockenphasen, der Rückgang des Grundwassers sowie zunehmender Abfluss den Druck auf das natürliche Wasserdargebot erhöhen; Ingo Ammermann, Bundesgeschäftsführer des NABU, verweist in diesem Zusammenhang auf eine massiv gestörte Balance aus Niederschlag, Verdunstung und Versickerung und sieht die Landnutzung als zentralen Hebel für Gegenmaßnahmen.
Beispielregion und internationale Einordnung
Die Studie betrachtet die Region Berlin-Brandenburg als Beispiel, um Effekte zunehmenden Wasserstresses, daraus folgende Kosten und mögliche wirtschaftliche Vorteile eines ganzheitlichen Wassermanagements in der Fläche zu zeigen. Zudem wird Deutschland als eines der Länder mit weltweit besonders großen Grundwasserverlusten eingeordnet.
Lösungsansätze und Finanzierung
Als Ansatz nennt die Studie naturbasierte und technologische Lösungen, um die verfügbare Wassermenge langfristig zu erhöhen und Wasser effizienter zu nutzen. Regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und moderne Drainagesysteme könnten demnach jährlich zusätzlich 7 bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Landschaft halten, den Negativtrend bis 2040 drehen und die Wasserbilanz stärken. Für die Umsetzung werden fehlende finanzielle Anreize und Investitionszugänge bei Landwirten und Waldbesitzern genannt sowie sehr niedrige Wasserpreise für Industrie und Versorgungsunternehmen; empfohlen werden der gezielte Einsatz bestehender Infrastrukturmittel für den Schutz der Wasserressourcen sowie neue Finanzierungsmechanismen und Preissysteme, darunter Wasser- oder Naturcredits, regionale Wasserfonds und marktorientierte Anreizsysteme, verbunden mit einem Schulterschluss von öffentlicher Hand, Wirtschaft, Landnutzern und Finanzsektor.