Marktchancen jenseits des klassischen Wohnungsneubaus

Marktchancen jenseits des klassischen Wohnungsneubaus Bild: stock.adobe.com

Marktchancen jenseits des klassischen Wohnungsneubaus

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Der Wohnungsbau bleibt ein zentrales Feld der Bauwirtschaft, steht jedoch vor einem Strukturwandel. Eine Marktuntersuchung zeigt, dass sich der jährliche Bedarf an neu errichteten Wohneinheiten bis 2035 voraussichtlich auf 200.000 bis 300.000 einpendeln wird. Als Gründe nennt die Studie eine geringere Wanderungsdynamik sowie zusätzliche Potenziale durch Nachverdichtung und Modernisierung im Bestand. Zugleich bleibt der Druck auf die Branche hoch, weil die Nachfrage nach Wohnraum bestehen bleibt, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Finanzierungskosten die Bautätigkeit jedoch bremsen.
Regionale Unterschiede nehmen weiter zu
Die Studie Megatrends am Bau des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult geht davon aus, dass sich die Bautätigkeit künftig stärker auf einzelne Regionen konzentrieren wird. Wachstumsräume im Umland großer Städte profitieren demnach von der Nachfrage nach erschwinglichem Wohneigentum mit guter Anbindung. Strukturschwache Kommunen geraten dagegen stärker unter Druck, unter anderem durch sinkende Steuereinnahmen und steigende Sozialausgaben. Für Bauunternehmen ergeben sich daraus unterschiedliche Marktbedingungen. Während prosperierende Speckgürtel zusätzliche Chancen bieten, könnten Projekte in ländlichen Regionen stärker auf Förderprogramme und neue Nutzungskonzepte angewiesen sein. Der Geschosswohnungsbau bleibt laut Studie zugleich ein wichtiges Geschäftsfeld, weil die Nachfrage nach Mietwohnungen in urbanen Zentren hoch bleibt.
Bestand und altersgerechter Umbau gewinnen an Gewicht
Mit Blick auf die kommenden Jahre rückt die Modernisierung des Bestands stärker in den Fokus. Die Studie sieht in Ersatzneubauten, energetischen Sanierungen und zirkulären Bauweisen zentrale Entwicklungslinien. Hinzu kommen veränderte Anforderungen durch den demografischen Wandel. Ältere Haushalte belegen zunehmend größere Wohnflächen, während barrierefreie Umbauten und altersgerechte Konzepte an Bedeutung gewinnen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt für viele Betriebe stärker von reinem Neubau hin zu einer Kombination aus Bestandserhalt, Umbau und gezielter Ergänzung durch Neubauten.
Infrastruktur wird zum zusätzlichen Wachstumstreiber
Neben dem Wohnungsbau nennt die Studie die Verkehrsinfrastruktur als wichtigen Impulsgeber für die Bauwirtschaft. Sollte die Elektrifizierung des Individualverkehrs weiter zunehmen, wären umfangreiche Investitionen in Ladeinfrastruktur, Verkehrswege und Netzanbindungen erforderlich. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe eröffnet sich damit ein breiteres Spektrum an Geschäftsfeldern, das von energetischer Sanierung über modulare Bauweisen bis hin zu Infrastrukturprojekten reicht. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte und innovative Baukonzepte. Wer regionale Marktverschiebungen frühzeitig analysiert und das eigene Leistungsportfolio entsprechend ausrichtet, kann von dieser Entwicklung profitieren.

Quelle: www.meistertipp.de
  • Cordula Kiefer