Kalksandsteinbranche: Krisenjahr und 125 Jahre Verband
Mit den Geschäftsberichten 2024/2025 dokumentiert die Kalksandsteinindustrie eine Phase, die sie als besonders schwierig für die Baustoffbranche beschreibt, und verweist zugleich auf das 125-jährige Bestehen des Bundesverbands Kalksandsteinindustrie e. V. im Jahr 2025. Die Berichte des Bundesverbands Kalksandsteinindustrie e. V., der Forschungsvereinigung Kalk-Sand e. V. und der Kalksandstein-Dienstleistung GmbH stellen den Zusammenhang von Interessenvertretung, Technik, Forschung, Qualitätssicherung und Kommunikation dar.
Wohnungsbaukrise drückt Absatz und Produktion
Die Wohnungsbaukrise dauert nach Darstellung der Branche inzwischen im vierten Jahr an. Auf die Halbierung der Genehmigungszahlen im Wohnungsneubau folgte ein deutlicher Rückgang der Produktion. Für 2024 weist die Kalksandsteinindustrie einen weiteren Rückgang des Steinabsatzes um 18,25 Prozent auf 1,25 Milliarden Vol.-NF aus, entsprechend rund 2,8 Mio. m³. Für 2025 wird angesichts weiterhin schwieriger Rahmenbedingungen lediglich eine Abbremsung der Talfahrt erwartet.
Marktposition im mehrgeschossigen Wohnungsbau
Trotz des rückläufigen Absatzes bleibt Kalksandstein nach Angaben der Branche im 12. Jahr in Folge Marktführer im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Bei rund 34 Prozent der im Jahr 2024 fertiggestellten 12.663 Wohngebäude mit drei oder mehr Wohneinheiten kam der Baustoff zum Einsatz. Die Branche ordnet dies insbesondere Projekten zu, in denen bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird, und verbindet damit den Anspruch, zur gesellschaftlichen Stabilität beizutragen.
125 Jahre Bundesverband als organisatorische Klammer
Das 125-jährige Verbandsjubiläum im Jahr 2025 wird in den Berichten als Bezugspunkt für die aktuelle Lage dargestellt. Als Ursprung der Verbandsorganisation wird das Jahr 1900 genannt, als sich Unternehmer mit dem Ziel zusammengeschlossen hätten, Qualität und Standards gemeinsam zu sichern. Heute wird der Verband als Netzwerk, Koordinationsstelle und Sprachrohr der Branche beschrieben, das den Austausch von Erfahrungen, die gemeinsame Entwicklung von Lösungen sowie die schnellere Umsetzung von Innovationen in die Praxis unterstützen soll.
Vorwettbewerbliche Forschung mit Fokus Klimaneutralität
Als besonderes Merkmal wird die gemeinschaftliche vorwettbewerbliche Praxisforschung hervorgehoben, die über die Forschungsvereinigung Kalk-Sand e. V. organisiert ist. Im Durchschnitt werden demnach rund zehn Praxis-Forschungsprojekte pro Jahr bearbeitet, mit dem Ziel, Prozesse und Produkte zu optimieren und die Transformation zu einer klimaneutralen Produktion voranzutreiben. Als Ergebnis seit 1990 wird eine Reduktion der CO₂-Emissionen um 41 Prozent angegeben. Für den Berichtszeitraum werden unter anderem Projekte zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Reduktion des Energieverbrauchs während der Autoklavierung, zur Erprobung alternativer Bindemittel als Ersatz für CO2-intensiven Branntkalk sowie zur Entwicklung multifunktionaler Filter aus Mauerwerksbruch zur Aufbereitung von Niederschlagsabflüssen genannt.
Forderungen an Politik und Förderkulisse
Geschäftsführer Roland Meißner ordnet die wirtschaftliche Lage der Baustoffindustrie weiterhin als äußerst angespannt ein und sieht die Kalksandsteinindustrie von der Wohnungsbaukrise stark betroffen. Zugleich verweist er auf ein aus seiner Sicht leichtes Licht am Horizont, sofern die Politik entschlossen handele. Als entscheidend benennt er weniger Bürokratie, eine verlässliche Förderkulisse und ein klares politisches Bekenntnis zum dringend benötigten Neubau, um den Wohnungsbau wieder in Fahrt zu bringen und den Übergang von der Talsohle in einen nachhaltigen Aufschwung zu ermöglichen.