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Infrastrukturboom trifft auf Genehmigungsbremsen
Das 54. Großseminar des Verbands der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) brachte in Willingen rund 1.200 Teilnehmende zusammen, darunter Bauunternehmen, Maschinenverantwortliche und Entscheider aus Infrastrukturprojekten. Thematisch ging es um Digitalisierung, beschleunigte Bauprozesse, neue Auftragspotenziale und die Rolle der Bauwirtschaft bei der Modernisierung Deutschlands. VDBUM-Präsident Dirk Bennje beschrieb einen Wandel im Selbstverständnis der Branche vom reinen Auftragnehmer zum Partner bei der Bewältigung zentraler Aufgaben.
Digitalisierung und Datenschnittstellen als Wettbewerbsfaktor
Im Mittelpunkt stand die Vernetzung von Baumaschinen und Baustellenprozessen. Echtzeitdaten werden als Schlüssel genannt, um Bauzeiten zu verkürzen und Kosten besser zu steuern. Gleichzeitig bleibt die Kommunikation zwischen Maschinen verschiedener Hersteller eine Herausforderung. Der VDBUM setzt hier auf herstellerunabhängige Datenschnittstellen, um Mischflotten effizienter zu betreiben und Medienbrüche auf Baustellen zu vermeiden. Hochtief-Finanzvorstand Jörg Laue verwies dabei auf den Anpassungsdruck für Beschäftigte, die mit einem höheren Tempo Schritt halten müssten.
Hoher Bedarf an Infrastruktur und neue Auftraggeber
Für 2026 äußerten sich viele Unternehmen zuversichtlich, gestützt auf einen hohen Infrastrukturbedarf von Verkehrswegen über Energienetze bis zu militärischen Bauprojekten. Markus Bühl, Prokurist und Vertriebsleiter der Wirtgen Gruppe, sprach von einem enormen Bedarf. Zusätzliche Impulse könnten von der Bundeswehr ausgehen, die Neubau- und Sanierungsmaßnahmen plant. Oberst Stefan Gruhn warb um die Bauwirtschaft als Umsetzungspartner und formulierte den Bedarf an zeit- und bedarfsgerechter Infrastruktur.
Genehmigungen, Finanzierung und Verlässlichkeit
Als zentrales Hemmnis treten langwierige Genehmigungsprozesse und fehlende Planungssicherheit in den Fokus, gerade bei großen Infrastrukturmaßnahmen. Projektlaufzeiten von über einem Jahrzehnt gelten weiterhin als Realität. Laue forderte deutlich verkürzte Prozesse. Bennje verband Erwartungen an politische Zusagen mit finanzieller Planungssicherheit und betonte den Bedarf an Verlässlichkeit. Insgesamt wird die Marktperspektive als groß beschrieben, das Tempo jedoch als stark abhängig von politischen Rahmenbedingungen.
Quelle: www.meistertipp.de