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Holzbau gewinnt an Bedeutung
Der moderne Holzbau entwickelt sich nach Einschätzung von Branchenvertretern zunehmend zu einer industriellen, digitalen und klimawirksamen Lösung für zentrale Herausforderungen der Bauwirtschaft. Trotz Wohnungsbau- und Industriekrise sehen der Deutsche Holzfertigbauverband und West Fraser eine Trendwende. Für 2026 wird die Lage noch als schwierig eingeschätzt, ab 2027 werden im Wohnungsbau wieder deutliche Zuwächse erwartet. Besonders der mehrgeschossige Holzbau gewinnt an Relevanz, sowohl in Voll-Holz- und Holztafelbauweise als auch im Hybridbau mit Holz und Beton. Der Marktanteil wächst nach Einschätzung der Beteiligten kontinuierlich. Zugleich reagieren konventionelle Bauunternehmen zunehmend mit Kooperationen oder Übernahmen von Zimmereien.
Vorfertigung und Automatisierung prägen die Entwicklung
Mit dem wachsenden Holzbau steigt auch die Bedeutung industrieller Vorfertigung und automatisierter Prozesse. Nach Einschätzung der Beteiligten wird eine höhere Vorfertigung in der Bauwirtschaft zunehmend unverzichtbar. Ein Vorteil des Holzbaus liegt in der präzisen Produktion in der trockenen Halle. Zwar ist der Planungsaufwand zu Beginn eines Projekts hoch, weil das Gebäude vor der Fertigung digital vollständig geplant werden muss. Dadurch lassen sich jedoch Kollisionen, Brüche und Unvereinbarkeiten frühzeitig vermeiden. Die Bauteile können millimetergenau vorgefertigt werden, was die Bauzeit auf der Baustelle deutlich verkürzt. Als Beispiel wird genannt, dass ein Einfamilienhaus in drei Tagen und ein dreigeschossiges Gebäude in vier Wochen errichtet werden kann.
Holzbau wird als Klimaschutzinstrument bewertet
Mit der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit rücken die klimapositiven Eigenschaften des Baustoffs Holz stärker in den Vordergrund. Nach Angaben des Deutschen Holzfertigbauverbandes bindet ein Kubikmeter Holz rund eine Tonne CO2, während ein Kubikmeter Beton zusätzliche 0,3 Tonnen CO2 emittiert. Der Ersatz mineralischer Baustoffe durch Holz kann damit eine zusätzliche Klimawirkung entfalten. West Fraser verweist in diesem Zusammenhang auf den technologischen Fortschritt in der Produktion, der ressourcenschonende Herstellungsprozesse und eine emissionsarme Anwendung ermögliche. Holzwerkstoffe wie OSB-Platten werden dabei als langfristige CO2-Speicher eingeordnet.
Bestandsbau und Sanierung als weiteres Einsatzfeld
Neben dem Neubau gilt der Bestand als wichtiges Einsatzfeld für den Holzbau. Geringes Gewicht, kurze Bauzeiten, Anpassungsfähigkeit im Bestand sowie bauphysikalische Eigenschaften sprechen aus Sicht der Beteiligten insbesondere für Aufstockungen und Sanierungen. Auch in der energetischen Sanierung gewinnt der Einsatz vorgefertigter Elemente im Holzrahmenbau nach Einschätzung von West Fraser an Bedeutung. Gleichzeitig sieht der Deutsche Holzfertigbauverband weiterhin Hemmnisse in bestehenden Reglementierungen der Bauordnungen. Dort wird jedoch ein erhebliches Entwicklungspotenzial gesehen, falls Modernisierungen und Liberalisierungen umgesetzt werden.