Baden-Württemberg fördert Modellprojekte

Baden-Württemberg fördert Modellprojekte

Baden-Württemberg fördert Modellprojekte

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Das Land Baden-Württemberg startet im Strategiedialog Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen (SDB) den Förderaufruf Clever Bauen BW. Den Startschuss gab die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, Nicole Razavi MdL, am 1. Januar 2026 in Stuttgart. Für die erste Förderrunde stehen 1,4 Millionen Euro zur Verfügung; Razavi begründete den Aufruf damit, dass Bauen zu kompliziert und zu teuer geworden sei und sich durch vorausschauende Planung Bau- und Betriebskosten einsparen ließen.

Ziel: Standards erproben, qualitätvoll und ressourcenschonend bauen

Gefördert werden erstmals Modellprojekte im Wohnungsbau, die einen innovativen Umgang mit bestehenden Bau- und Ausstattungsstandards erproben und neue Wege für qualitätvolles, kostengünstiges und ressourcenschonendes Bauen aufzeigen sollen. Der Aufruf ist in enger Zusammenarbeit mit dem SDB entstanden, in dem Fachleute aus Kommunen, Baupraxis, Wohnungswirtschaft und Wissenschaft untersucht haben, warum Bauen teurer wird und wie sich Prozesse vereinfachen lassen.

Erkenntnisse aus dem Strategiedialog und wissenschaftliche Begleitung

Als Grundlage werden Forschungsergebnisse angeführt, nach denen Baukostensteigerungen maßgeblich durch steigende Standards verursacht werden, während einfachere, robuste Lösungen Bau-, Betriebs- und Wartungskosten deutlich senken können. Der dafür erforderliche Mehraufwand verlagere sich vor allem in die frühe Planungs- und Abstimmungsphase, weshalb Pilot- und Modellprojekte unter realen Bedingungen als wichtig bewertet werden. Eine wissenschaftliche Begleitung soll die Erkenntnisse auswerten und für den Regelwohnungsbau nutzbar machen; zugleich greift der Aufruf den Diskurs zum Gebäudetyp E auf und zielt darauf, Spielräume im Umgang mit Standards und Normen bewusst, verantwortungsvoll und genehmigungsfähig zu nutzen und unter realen Marktbedingungen zu erproben.

Förderfähige Vorhaben und Förderkonditionen

Gefördert werden Projekte in ganz Baden-Württemberg, vom Neubau bis zur Umnutzung oder Reaktivierung leerstehender Gebäude; ergänzend sind Machbarkeitsstudien vorgesehen, die konkrete Bauvorhaben vorbereiten und genehmigungsfähige Lösungen entwickeln. Das Programm richtet sich an Bauherren, die innovativ mit Standards umgehen und Erfahrungen für den Wissenstransfer zur Verfügung stellen. Bauliche Umsetzungen werden mit 300 Euro je Quadratmeter förderfähiger Wohnfläche unterstützt; die wissenschaftliche Begleitung wird mit 100 Prozent der zuwendungsfähigen Begleitkosten gefördert, maximal 100.000 Euro pro Projekt. Machbarkeitsstudien zum Gebäudetyp-E-Prinzip werden mit bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gefördert, maximal 50.000 Euro je Antrag.

Fristen, Auswahlverfahren und Hintergrund Gebäudetyp E

Projektskizzen können in zwei Runden eingereicht werden; die Frist der ersten Runde endet am 31. März 2026, die zweite Runde endet am 30. Juni 2026. Die eingereichten Skizzen werden geprüft und von einem Expertengremium ausgewählt; anschließend werden die Vorhabenträger der ausgewählten Projekte zu einem dialogischen Prozess eingeladen, während parallel die zweite Einreichungsrunde läuft. Der Gebäudetyp E mit E für einfach oder experimentell steht laut Hintergrund im Zentrum der Diskussion über steigende Baukosten und den verantwortungsvollen Umgang mit Bau- und Ausstattungsstandards; auf Bundesebene läuft seit 2024 ein Gesetzgebungsprozess zur Weiterentwicklung des Bauordnungs- und Zivilrechts, der die rechtssichere Nutzung bestehender Spielräume ermöglichen und einfaches, kostengünstiges Bauen stärken soll.