Rückgang bei Wohnungsgenehmigungen

Rückgang bei Wohnungsgenehmigungen

Rückgang bei Wohnungsgenehmigungen

  • Vergaberecht & Baurecht
  • 15 Min

Wieder weniger neue Wohnungen genehmigt – Auswirkungen bis in öffentliche Ausschreibungen

Die deutschen Bauverwaltungen haben im September 2023 erneut weniger neue Wohnungen genehmigt als im Vorjahresmonat. Die Zahl der genehmigten Einheiten lag bei 19.300 und damit 29,7 % unter dem Wert aus dem September 2022, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt wurden im laufenden Jahr nach neun Monaten 195.100 Wohnungen neu genehmigt – das sind 28,3 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das von der Bundesregierung ausgegebene Jahresziel von 400.000 Einheiten rückt damit weiter in die Ferne.

Gründe für die rückläufige Entwicklung

Als Ursachen für die schwache Entwicklung nennt das Amt vor allem hohe Baukosten und ungünstige Finanzierungsbedingungen – trotz gleichzeitig hoher Nachfrage, insbesondere nach Mietwohnungen. Auf neu zu errichtende Gebäude entfielen in den ersten neun Monaten 160.400 Einheiten. Die stärksten Rückgänge zeigen sich bei Genehmigungen für Zweifamilienhäuser. Die Zahlen basieren teilweise auf Schätzungen, da aus Niedersachsen keine Septemberwerte vorlagen.


Zahlen im Überblick (Statistisches Bundesamt)

  • September 2023: 19.300 genehmigte Wohnungen (-29,7% ggü. September 2022)

  • Januar–September 2023: 195.100 genehmigte Wohnungen (-28,3% ggü. Vorjahreszeitraum)

  • Neubau (Jan–Sep 2023): 160.400 genehmigte Wohnungen entfielen auf neu zu errichtende Gebäude

  • Stärkster Rückgang: Genehmigungen für Zweifamilienhäuser

  • Hinweis zur Datenbasis: Teile der Werte beruhen auf Schätzungen, da für Niedersachsen keine Septemberdaten vorlagen

    2023-Monatlich-genehmigte-Wohnungen.png
    © Statistisches Bundesamt (Destatis) 2026


Gründe für den Rückgang der Baugenehmigungen

Trotz hoher Nachfrage – insbesondere nach Mietwohnungen – sieht das Statistische Bundesamt zwei zentrale Belastungsfaktoren:

  1. Hohe Baukosten

  2. Ungünstige Finanzierungsbedingungen (z. B. höhere Zinsen und restriktivere Kreditvergaben)

Diese Kombination führt dazu, dass Projekte häufiger verschoben, verkleinert oder komplett gestoppt werden – besonders im privaten Wohnungsbau.


Relevanz für öffentliche Ausschreibungen und den Vergabemarkt

Der Rückgang bei Baugenehmigungen kann sich auch auf den Markt öffentlicher Ausschreibungen auswirken – vor allem dort, wo Kommunen, Länder oder öffentliche Wohnungsunternehmen Bauleistungen vergeben.

Für Unternehmen im Bau- und Ausbaugewerbe bedeutet das häufig:

  • Mehr Wettbewerb um laufende und geplante Projekte, weil private Neubauvorhaben ausbleiben oder verschoben werden.

  • Höhere Bedeutung öffentlicher Aufträge (z. B. kommunaler Wohnungsbau, Schulen, Kitas, Infrastruktur), die oft stabiler geplant werden.

  • Verschiebung Richtung Bestand: Sanierung, Modernisierung, energetische Maßnahmen und Instandhaltung werden wichtiger – Bereiche, die regelmäßig über Ausschreibungen nach VOB/A vergeben werden.

Für Vergabestellen und öffentliche Auftraggeber kann das heißen:

  • steigendes Interesse an wirtschaftlichen Vergabestrategien (Losaufteilung, Rahmenverträge, funktionale Leistungsbeschreibungen),

  • stärkere Nachfrage nach transparenten Nachweisen (Kapazitäten, Referenzen, Ausführungskonzepte),

  • mehr Fokus auf Kosten- und Terminsicherheit in Ausschreibungen.


Tipp für Bieter

Wer nach öffentlichen Ausschreibungen Bau sucht, sollte in Angeboten und Eignungsunterlagen besonders klar herausarbeiten:

  • relevante Referenzen (Neubau vs. Sanierung),

  • Kapazitäten und Liefer-/Leistungsfähigkeit,

  • nachvollziehbare Preis- und Ausführungslogik (auch bei volatilen Kosten).


FAQ

Wie viele Wohnungen wurden im September 2023 genehmigt?
19.300 Wohnungen – das sind 29,7% weniger als im September 2022.

Wie viele Wohnungen wurden in den ersten neun Monaten 2023 genehmigt?
195.100 Wohnungen, 28,3% weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Warum sinken die Baugenehmigungen trotz hoher Nachfrage?
Genannt werden vor allem hohe Baukosten und ungünstige Finanzierungsbedingungen.

Welche Bauform war besonders betroffen?
Die stärksten Rückgänge gab es bei Zweifamilienhäusern.

 

Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/11/PD23_445_3111.html

  • Redaktion