Master Professional im Handwerk: Gleichwertigkeit bleibt Baustelle

Master Professional im Handwerk: Gleichwertigkeit bleibt Baustelle

Master Professional im Handwerk: Gleichwertigkeit bleibt Baustelle

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Leonie Leisch aus Miltenberg hat gemeinsam mit vier weiteren Augenoptikermeistern und Optometristen die derzeit höchstmögliche Qualifikationsstufe im Handwerk erreicht. Sie trägt den Abschluss Master Professional Optometrie und verweist neben inhaltlichem Interesse auch auf finanzielle Karriereeffekte. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) ordnet den Abschluss auf Stufe sieben des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) ein und sieht ihn damit auf derselben Qualifikationsstufe wie hochschulische Masterabschlüsse. Christian Müller, Präsident des ZVA, betont, es gehe nicht um Gleichheit, sondern um Gleichwertigkeit. Die Fortbildung findet am ZVA-Bildungszentrum statt, die Prüfung nimmt die Handwerkskammer Düsseldorf ab.

ZDH sieht Bedarf an attraktiven Entwicklungsperspektiven

Dirk Palige, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), unterstreicht die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte auf allen Ebenen, auch auf der höchsten Qualifikationsstufe. Mehr berufliche Entwicklungsperspektiven seien nötig, um Fachkräfte im Handwerk zu halten und mehr junge Menschen für diesen Weg zu gewinnen. Palige verweist zudem auf den Wettbewerb zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung und sieht eine gesetzlich verankerte und gesellschaftlich gelebte Gleichwertigkeit als Beitrag, Bildungsentscheidungen stärker an Fähigkeiten und Interessen auszurichten.

DQR wirkt bislang wenig – und ist noch nicht verrechtlicht

Es stellt sich heraus, dass das Zuordnungsverfahren zum DQR für die Fortbildung bisher noch nicht durchlaufen wurde. Palige kritisiert, die praktische Wirkung solcher Instrumente sei begrenzt, weil der DQR in der breiten Öffentlichkeit, bei Eltern, Jugendlichen und in Schulen zu wenig bekannt sei, um Berufswahlentscheidungen spürbar zu beeinflussen. Zudem fehlt nach Darstellung des Beitrags eine rechtliche Verbindlichkeit des DQR. Eine Verrechtlichung ist im Koalitionsvertrag vorgesehen; Vorschläge von ZDH und Deutscher Industrie- und Handelskammer lägen seit Ende 2024 im zuständigen Bundesministerium. Palige sieht die Bundesregierung nun in der Verantwortung.

Kosten und Förderung als Knackpunkt

Die Lehrgangsgebühren für den Master Professional Optometrie werden für Augenoptikermeister mit rund 13.000 Euro beziffert, hinzu kommen Verdienstausfall sowie Fahrt- und Übernachtungskosten. Das Aufstiegs-BAföG erstatte nach bestandener Prüfung drei Viertel der Lehrgangskosten und ermögliche ein zinsgünstiges Darlehen. Ein Viertel der Kosten bleibe jedoch bei den Teilnehmenden. Der ZDH verweist im Vergleich dazu auf in der Regel kostenfreie Studiengänge und fordert eine Weiterentwicklung des Aufstiegs-BAföG, um finanziell vergleichbare Rahmenbedingungen zu schaffen.