Digitalisierungslücke im Handwerk wächst
Die Digitalisierung kommt im Handwerk nach wie vor langsam voran, obwohl Fachkräftemangel, Bürokratie und Kostendruck die Branche stark belasten. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Statista im Auftrag von Hero Software weist darauf hin, dass zentrale Prozesse vielerorts weiterhin analog organisiert sind. In den vergangenen fünf Jahren haben demnach alle großen Handwerksbetriebe mit mehr als 50 Beschäftigten in digitale Lösungen investiert. Bei Kleinstbetrieben mit zwei bis fünf Mitarbeitenden liegt der Anteil dagegen bei 16 Prozent. Gleichzeitig sind 99,6 Prozent aller Handwerksunternehmen kleine oder mittlere Unternehmen, knapp 80 Prozent davon Kleinstbetriebe.
Analoge Abläufe kosten Zeit und erhöhen Fehlerquoten
Rund 30 Prozent der Betriebe erledigen die Buchhaltung überwiegend manuell. Bei der Baustellendokumentation arbeiten 42 Prozent überwiegend analog, in der Lagerverwaltung jeder zweite Betrieb. Die Folgen zeigen sich in Fehlern und Kontrollverlust: 41 Prozent der Befragten berichten von Fehlern durch manuelle Abläufe, ein Viertel nennt besonders zeitaufwendige Verwaltungsprozesse. In zwölf Prozent der Betriebe geht regelmäßig der Überblick über laufende Projekte verloren, mit Auswirkungen auf Qualität, Termine und Wirtschaftlichkeit.
Digitale Komplettlösungen entlasten Verwaltung und Organisation
Betriebe, die digitale Komplettlösungen einsetzen, berichten von Umsatzsteigerungen und spürbaren Entlastungen. Je nach Aufgabenbereich werden wöchentlich zehn bis 20 Stunden eingespart, teilweise mehr. Die Zeitgewinne entstehen vor allem in Verwaltung und Organisation und sollen Fachkräftekapazitäten freisetzen.
Automatisierung und KI werden unterschiedlich genutzt
Automatisierte Abläufe in Verwaltung und Buchhaltung nutzen 47 Prozent der Betriebe, in der Lagerverwaltung liegt der Anteil bei 17 Prozent. Anwender berichten von Vorteilen: 70 Prozent arbeiten schneller, 63 Prozent fehlerärmer. Bei KI-Tools bleibt die Zurückhaltung laut Beitrag groß, obwohl die Technologien nahezu allen Betrieben bekannt sind. Michael Kessler, Gründer und Geschäftsführer von Hero Software, sieht darin einen Effizienz- und Kapazitätsverlust, insbesondere für kleine Betriebe, und fordert Lösungen, die den Einstieg in die digitale Arbeitswelt erleichtern.
Quelle: www.meistertipp.de