Nachhaltige Betonrezepturen stärken Frühfestigkeit im Fertigteilbau
Steigende Nachhaltigkeitsanforderungen, knappe Primärrohstoffe und hohe Anforderungen an die Frühfestigkeit erhöhen den Innovationsdruck im Betonfertigteilbau. Auftraggeber erwarten zugleich wirtschaftliche, technisch ausgereifte und zertifizierungsfähige Lösungen. Das Bauunternehmen J. Lehde arbeitet daher an Betonrezepturen mit deutlich geringerem Anteil klinkerhaltiger Bindemittel, um Primärrohstoffe einzusparen und die CO2-Bilanz zu verbessern, ohne Qualität, Dauerhaftigkeit oder Prozesssicherheit zu beeinträchtigen. Im Fertigteilbau sind diese Parameter laut Text besonders relevant, da Bauteile kurz nach dem Betonieren ausgeschalt und transportiert werden müssen.
Frühfestigkeit als Maßstab für den Ablauf im Werk
Bei Lehde befassen sich vier Betontechnologen kontinuierlich mit der Optimierung von Rezepturen, alternativen Zementen sowie dem gezielten Einsatz moderner Betonzusatzstoffe und -mittel. Im Mittelpunkt steht die Frühfestigkeit, die für den Produktionsablauf entscheidend ist. Bauingenieur Timo Gließner erläutert, dass Fertigteile bereits wenige Stunden nach dem Betonieren aus den Schalungen genommen und transportfähig sein müssen. Er nennt mindestens 15 Newton je Quadratmillimeter als erforderlichen Wert, damit Transportankersysteme sicher greifen und die Fertigteile bewegt werden können.
Nachhaltigkeitsnachweise nach DGNB-Anforderungen
Neben der technischen Leistungsfähigkeit rücken Nachhaltigkeitskriterien stärker in den Fokus. Viele Bauherren verlangen belastbare Nachweise zur ökologischen Qualität der eingesetzten Baustoffe. Lehde richtet die Entwicklungsarbeit deshalb an den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) aus. Für unterschiedliche Betonsorten werden Ökobilanzen erstellt, neue Zemente getestet und bestehende Mischungen fortlaufend weiterentwickelt.
Recyclinganteil bis zur aktuellen Obergrenze
Ein Schwerpunkt liegt auf Recyclingmaterialien. Seit 2025 setzt Lehde im Fertigteilbau regelmäßig bis zu 25 Prozent rezyklierte Gesteinskörnungen ein, laut Text der derzeit zulässige Höchstanteil in Deutschland. Gließner zufolge lassen sich damit Primärrohstoffe in erheblichem Umfang einsparen, ohne die Eigenschaften des Betons negativ zu beeinflussen. In anderen europäischen Ländern seien höhere RC-Anteile bereits Standard oder sogar vorgeschrieben.
Zusatzmittel zur Leistungssteigerung und Zementeinsparung
Durch den gezielten Einsatz von Zusatzmitteln sollen technische und ökologische Vorteile erreicht werden. Gließner betont, dass bereits ein sehr kleiner Anteil eines speziellen Zusatzmittels die Eigenschaften des Betons erheblich verbessern und häufig sogar Zement einsparen könne. Der Text verweist zudem auf Stahlbetonfertigteile, die sich aufgrund verschraubter oder verankerter Konstruktionen besonders für spätere Demontage und Wiederverwendung eignen. Ein Einblick in die Forschungsarbeiten ist Anfang 2026 in einem Fachvortrag bei den Ulmer Betontagen vorgesehen.
Quelle: www.meistertipp.de