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Klimaanpassung: Der Gebäudebestand rückt in den Mittelpunkt
Laut der Prognos-Studie “Klimaangepasstes Bauen” sind im Gebäudesektor bis 2035 Investitionen von 137 Milliarden Euro bei leichtem und 237 Milliarden Euro bei starkem Klimawandel nötig. Im Szenario eines leichten Klimawandels entfallen 86 Prozent auf bestehende Gebäude. Auch beim Klimaschutz liegt der Hebel im Bestand. Von knapp 20 Millionen Wohngebäuden wurden nur 7,7 Prozent zwischen 2010 und 2022 errichtet, mehr als drei Viertel werden mit Öl oder Gas beheizt. Das Thema ist eines der Leitthemen der BAU 2027 vom 11. bis 15. Januar in München.
Hitze wird zur Entwurfsgröße
Ende Juni 2026 registrierte der Deutsche Wetterdienst an 467 von 488 Messstationen neue Allzeit- oder Monatsrekorde der Höchsttemperatur. Laut Prof. Dr. Daniele Santucci von der RWTH Aachen hängt die Belastung im Straßenraum stark von Stadtgeometrie, Verschattung, Wind und Materialien ab. Am Gebäude gewinnen Verschattung, Speichermasse, natürliche Belüftung und Nachtkühlung an Bedeutung. Je mehr Komfort sich mit passiven Mitteln erreichen lässt, desto geringer kann der Energiebedarf für aktive Kühlung ausfallen.
Starkregen braucht Rückhalteräume
Starkregen kann grundsätzlich überall auftreten. Besonders gefährdet sind Keller, Tiefgaragen, tiefliegende Zugänge und zunehmend auch Erdgeschosse. In dichten Quartieren konkurrieren Retention und Versickerung mit Erschließung, Infrastruktur, Mobilität und Nachverdichtung. Kopenhagen zeigt mit dem “Skybrudsplan”, wie Parks und Plätze bei Starkregen Wasser zurückhalten und sonst als Grün- und Aufenthaltsflächen dienen. Auch Dächer können Photovoltaik, Begrünung und Regenwasserrückhalt verbinden, wenn Tragwerk, Abdichtung und Entwässerung früh aufeinander abgestimmt werden.
Die Weichen werden in der frühen Planung gestellt
Sind Gebäude, Erschließung und Flächenaufteilung weitgehend festgelegt, bleibt wenig Spielraum für Baumstandorte, Retentionsflächen oder Abflusswege. Stadtklimaanalysen, Starkregengefahrenkarten und digitale Modelle helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen. Architektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Wasserwirtschaft und technische Fachplanung müssen deshalb früh zusammenarbeiten.
Klimaanpassung wird zum Wirtschaftsfaktor
Laut Prognos liegt der jährliche Investitionsbedarf bis 2035 je nach Szenario bei rund 12,5 bis 21,5 Milliarden Euro. Für die Umsetzung werden zusätzlich rund 7.700 bis 15.300 Vollzeitkräfte benötigt. ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab sieht in der Klimaanpassung einen wirtschaftlichen Motor für die Bauwertschöpfungskette. Der Prozess müsse aber planbar, wirtschaftlich tragfähig und praxistauglich bleiben.