Digitalisierung in der Fabrikhalle
Das Forschungsprojekt Datenfabrik.NRW hat nach vier Jahren gezeigt, wie KI und digitale Technologien in der Produktion praktisch eingesetzt werden können. Im Konsortium um den Spitzencluster it’s OWL entstanden bei Schmitz Cargobull und Claas 51 Anwendungen, unterstützt von NTT DATA Business Solutions, Duvenbeck Kraftverkehr, MotionMiners sowie den Fraunhofer-Instituten IEM, IML, IOSB-INA und IAIS. Das Projektvolumen betrug 14,5 Millionen Euro, davon 9,2 Millionen Euro Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung bewertet die Datenfabrik als Leuchtturm, der KI direkt in die industrielle Wertschöpfung bringt.
Schmitz Cargobull: digitales Fabrikmodell und Planung
Am Standort Vreden entwickelte Schmitz Cargobull einen durchgängigen digitalen Ansatz für die Produktionsplanung und investiert dort über 50 Millionen Euro in zusätzliche Kapazitäten für Kühlauflieger und Kofferfahrzeuge. Zentrale Grundlage ist ein digitales Fabrikmodell als gemeinsame Datenbasis, das eine toolübergreifende Planung ermöglicht. 3D-Punktewolken aus Scans werden KI-gestützt aufbereitet und in bestehende Planungssysteme integriert. Cardboard-Workshops zur Arbeitsplatzgestaltung laufen virtuell, während Motion-Mining-Technologien reale Arbeitsplätze analysieren und optimieren.
Claas: Werkerassistenz, IIoT und autonome Transporte
In der Mähdrescherfertigung in Harsewinkel ersetzte Claas Papierlisten durch ein Werkerassistenzsystem, das Auftragsreihenfolgen digital abbildet und über eine Weboberfläche bereitstellt. Schrittweise wurden Produktaudit-Daten, 3D-Modelle, technische Änderungen und Montagehinweise integriert. Über eine IIoT-Anbindung ist das System mit der Fabrik vernetzt; fahrerlose Transportsysteme melden Positionen und Aufträge automatisch zurück, Änderungen werden optisch und akustisch angezeigt. Das System ist an 120 Arbeitsplätzen im Einsatz, ein internationaler Roll-out wird vorbereitet. Zusätzlich testet Claas einen Chatbot auf Basis Generativer KI zur bedarfsgerechten Montageinformation.
Transfer in den Mittelstand
it’s OWL will die erprobten Methoden und Werkzeuge für mittelständische Betriebe in NRW und darüber hinaus verfügbar machen. Ziel ist der Übergang von Pilotanwendungen in die Serienpraxis durch standardisierte Methoden und Strukturen. Die Kompetenzplattform KI.NRW hat das Vorhaben als Flagship-Initiative aufgenommen, da KI-Systeme unmittelbar in Fabrikplanung, Produktion, Logistik und Unternehmensarchitektur zum Einsatz kommen.