Bauwirtschaft sieht Investitionen als Hebel gegen Stagnation

Bauwirtschaft sieht Investitionen als Hebel gegen Stagnation Bild: stock.adobe.com

Bauwirtschaft sieht Investitionen als Hebel gegen Stagnation

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Die Sozialpartner der Bauwirtschaft haben zum Sozialpartner-Dialog im Bundeskanzleramt eine gemeinsame Position veröffentlicht. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie stellen darin die Bauwirtschaft als möglichen Motor für wirtschaftliche Erholung dar. Das Papier trägt den Titel Bauen ist Konjunkturpolitik – Wie die Bauwirtschaft Deutschland aus der Stagnation führen kann und was dafür nötig ist.

Schwaches Wachstum und Wohnungsnot

Nach drei Jahren schwachen Wachstums steht Deutschland laut Ausgangstext vor der Aufgabe, die Wirtschaft nachhaltig zu beleben. Der Sachverständigenrat prognostiziert für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Als Hauptursachen werden gestiegene Energiepreise und internationale Handelskonflikte genannt. Zugleich wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Der Bedarf liegt bei rund 400.000 Wohnungen pro Jahr. Daraus ergibt sich eine Wohnungslücke von mehreren hunderttausend Einheiten.

Freie Kapazitäten im Hoch- und Tiefbau

Die Bauwirtschaft beschäftigt rund 2,6 Millionen Menschen und erwirtschaftet jährlich mehr als 150 Milliarden Euro Wertschöpfung. Nach Angaben der Sozialpartner bestehen derzeit im Hochbau und im Tiefbau freie Kapazitäten, die kurzfristig für neue Projekte genutzt werden könnten. Wissenschaftliche Studien verweisen laut Ausgangstext darauf, dass jeder investierte Euro in den Bau einen volkswirtschaftlichen Multiplikatoreffekt von 1,3 bis 1,5 auslöst.

Maßnahmen für mehr Wohnraum

Für den Wohnungsbau schlagen die Verbände mehrere Maßnahmen vor. Das KfW-Förderprogramm für klimafreundliche Neubauten nach Effizienzhaus-Standard 55 soll verlängert und verbessert werden. Genannt werden günstige Zinsen und flexible Tilgungsmodelle. Zudem soll die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsbau auf den Effizienzhaus-Standard 55 ausgedehnt werden. Für rund 453.000 genehmigte, aber noch nicht begonnene Wohnungen fordern die Sozialpartner zeitlich befristete Sonderkonditionen.

Wohneigentum und sozialer Wohnungsbau

Zur Förderung von Wohneigentum nennen die Verbände einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer und KfW-Nachrangdarlehen. Diese Instrumente sollen Haushalten mit mittlerem Einkommen den Erwerb von Wohneigentum erleichtern. Zugleich sollen die Finanzmittel von Bund und Ländern für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau verstetigt und ausgebaut werden.

Infrastruktur, Wettbewerb und Verfahren

Neben dem Wohnungsbau fordern die Sozialpartner Investitionen in Verkehr, Energie und Digitalisierung. Sie sehen darin Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität. Zudem sollen Schwarzarbeit und Sozialdumping konsequent bekämpft werden. Planungs- und Genehmigungsprozesse sollen durch Digitalisierung und die bundesweite Anerkennung von Typengenehmigungen beschleunigt werden.

Bauinvestitionen als Standortpolitik

Die Position der Sozialpartner verbindet Investitionen in Wohnungsbau, Infrastruktur und Digitalisierung mit Wachstum, Beschäftigung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Aus Sicht der Bauwirtschaft sollen bessere Rahmenbedingungen dazu beitragen, freie Kapazitäten zu nutzen, zusätzliche Projekte anzustoßen und den Standort Deutschland wirtschaftlich zu stärken.