Studie sieht gezielte Verdichtung als Hebel für weniger Autoverkehr

Studie sieht gezielte Verdichtung als Hebel für weniger Autoverkehr Bild: stock.adobe.com

Studie sieht gezielte Verdichtung als Hebel für weniger Autoverkehr

  • Nachhaltigkeit
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Gezielte bauliche Verdichtung kann ein wirksamer Hebel sein, um Autopendelverkehr und CO2-Emissionen zu reduzieren. Das zeigt eine Studie in Environmental Research Letters unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Beteiligt waren zudem die University of California, Berkeley, die University of Sussex und weitere Partner. Grundlage der Untersuchung sind zehn Millionen Mobilitätsdatenpunkte aus Berlin, Boston, Los Angeles, der San Francisco Bay Area, Rio de Janeiro und Bogotá.

Nähe zu Zentrum und Arbeitsplätzen entscheidend

Nach den Ergebnissen der Studie sind vor allem kürzere Wege zwischen Wohnort, Stadtzentrum und Arbeitsplätzen entscheidend. Stadtweite Bevölkerungsdichte und Verkehrsanbindung haben demnach eine geringere Bedeutung. Der neu entwickelte Ansatz nutzt GPS-Daten, Verbindungsnachweise und Künstliche Intelligenz, um zu ermitteln, an welchen Orten in einer Metropolregion bestimmte Maßnahmen die größte Wirkung entfalten können.

Ringförmige Korridore als Nachverdichtungsräume

In eher monozentrischen Metropolregionen wie Berlin und Boston sieht die Studie besonders geeignete Räume für Nachverdichtung in Stadtvierteln, die sich ringförmig um das Zentrum anordnen. Dort ist die Bebauung bereits lockerer, während das Zentrum noch gut erreichbar bleibt. Für Boston nennt die Studie einen geeigneten Korridor zwischen 10 und 21 Kilometern Entfernung zur Stadtmitte. In Rio de Janeiro reicht dieser Bereich bis zu 40 Kilometer vom Zentrum.

Andere Muster in polyzentrischen Regionen

In polyzentrischen Metropolregionen wie Los Angeles und der San Francisco Bay Area können Emissionen nach den Studienergebnissen vor allem durch Verdichtung in Gebieten mit hoher Konzentration von Arbeitsplätzen gesenkt werden. Die Forschenden betonen, dass städtische Strukturmerkmale nicht isoliert betrachtet werden sollten. Bevölkerungsdichte und Straßenanbindung seien eng miteinander verbunden, während Einkommen vor allem indirekt über die Wahl des Wohnstandorts auf das Fahrverhalten wirke.

Lokale Unterschiede stärker berücksichtigen

Die Studie macht deutlich, dass Verdichtung je nach Lage sehr unterschiedliche Effekte haben kann. In Berlin variieren die Emissionen pro Fahrt je nach Stadtviertel zwischen minus 0,8 und plus 2,9 Kilogramm CO2 relativ zum städtischen Durchschnitt. Für weiter von Beschäftigungszentren entfernte Viertel reichen städtebauliche Maßnahmen allein laut Studie nicht aus. Ergänzend kommen transit-orientierte Stadtentwicklung, Einschränkungen neuer Baugebiete auf der grünen Wiese, Fahrgemeinschaften und Homeoffice-Regelungen infrage.

Artikel
Wagner, F., Nachtigall, F., Milojevic-Dupont, N., Franken, L., Koch, N., Runge, J., Pereira, R., Gonzalez, M., Creutzig, F., (2026): Refining urban typologies: Causal insights into urban form, car commuting, and related CO₂ emissions. – Environmental Research Letters. [DOI: 10.1088/1748-9326/ae6881]
Weblink zum Artikel: https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/ae6881/pdf