Robotik für Umbau und Sanierung im Handwerk

Robotik für Umbau und Sanierung im Handwerk

Robotik für Umbau und Sanierung im Handwerk

  • Digitalisierung & Technik
  • 5 Min

Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe stehen laut Bauhaus-Universität Weimar bei Umbau und Sanierung im Bestand unter wachsendem Zeitdruck; zugleich verschärft der Fachkräftemangel die Lage. Das Projekt Handwerk der Zukunft untersucht, wie digitale Werkzeuge und robotische Systeme so eingesetzt werden können, dass sie Handwerkerinnen und Handwerker im Alltag entlasten. Für 2026 bis 2028 erhält das Forschungsteam aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds rund eine Million Euro; die Gesamtförderung wird mit 999.958,60 Euro angegeben.

Digitale Bestandserfassung und kollaborative Robotik

Im Fokus stehen technologisch zugänglicher gewordene Anwendungen wie digitale Bestandserfassung, vernetzte Planung und kollaborative Robotik. Das Projekt zielt darauf, Planung und Ausführung enger zu verzahnen, Prozesse zusammenzuführen und zu beschleunigen sowie einzelne Tätigkeiten zu automatisieren. Dabei wird betont, dass nicht der Ersatz von Menschen, sondern die Perspektive der ausführenden Handwerksbetriebe und die Zusammenarbeit mit Planungsbüros und Betrieben im Mittelpunkt stehen.

Interdisziplinärer Ansatz von Planung bis Baustelle

Architektinnen und Architekten, Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Designerinnen und Designer sowie Informatikerinnen und Informatiker der Bauhaus-Universität Weimar arbeiten mit Planungsbüros und Handwerksbetrieben zusammen und betrachten den gesamten Prozess von der Bestandsaufnahme über die Planung bis zur Ausführung. Bis 2028 sollen Lösungen entstehen, die sich flexibel in bestehende Arbeits- und Bauabläufe integrieren lassen. Die Ansätze werden unter anderem mit kollaborativen Industrierobotern getestet und demonstriert; als mögliche Anwendungen nennt der Text die Analyse des Bauwerkszustands, das Markieren von Wandöffnungen und das Abtragen von Materialien.

Praxisprobleme: Standards, Schnittstellen, Erfahrung

Als Hemmnisse für digitale Technologien in der Baupraxis werden fehlende Standards und Schnittstellen, mangelnde Anwendungspraxis sowie fehlendes Wissen in Betrieben genannt. Das Projekt setzt hier an, analysiert notwendige Arbeitsschritte und entwickelt praxisnahe Schnittstellen und Anwendungen für Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im Bestand, mit Handwerkerinnen und Handwerkern als integralen Bestandteil der Forschung.

Erwartete Effekte für Betriebe

Digitale Verfahren und Robotik sollen körperlich belastende Arbeiten reduzieren, Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern und kleinen Teams ermöglichen, größere Auftragsvolumen zu bewältigen. Zudem sollen präzise, datenbasierte Planungs- und Bauprozesse Fehler und Nacharbeiten verringern und den Materialeinsatz effizienter planbar machen. Die Universität beschreibt dies als assistive Digitalisierung, die Betriebe handlungsfähig halten und die Attraktivität des Berufsfelds für Nachwuchskräfte erhöhen soll; unterstützt wird das Projekt durch Industriepartner und einen angekündigten Industriebeirat.

Projektinformationen und Beteiligte

Koordiniert wird das Projekt an der Bauhaus-Universität Weimar durch Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk (Professur Komplexe Tragwerke), Prof. Dr.-Ing. Christian Koch (Professur Intelligentes Technisches Design) und Prof. Dr.-Ing. Jan Willmann (Professur Designtheorie und Designforschung). Kooperationspartner ist die MFPA Weimar mit der Arbeitsgruppe Material- und Produktqualifizierung sowie Prof. Dr.-Ing. Carsten Könke als Leiter der Einrichtung. Als Industriepartner werden unter anderem WBB Aktiengesellschaft, Kummer Lubk + Partner, BMKP GmbH, Tragwerk Software, hf Sensor GmbH und die Ingenieurkammer Thüringen genannt.