Erbschaftsteuerreform: Belastungen für Bau und Handwerk
Die Diskussion um eine geplante Reform der Erbschaftsteuer verschärft sich und wird in Bauwirtschaft und Handwerk als zusätzlicher Belastungsfaktor bewertet. Auslöser ist ein Reformpapier der SPD, das unter anderem einen Freibetrag von fünf Millionen Euro für Betriebsvermögen vorsieht.
Bauwirtschaft sieht falsches Signal
Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) kritisiert die Pläne und verweist auf den bestehenden Druck in der Branche durch Bürokratie, Fachkräftemangel sowie wachsende Nachweis- und Berichtspflichten. BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka äußert Zweifel am Zeitpunkt der Debatte und sieht zusätzliche steuerliche Unsicherheiten als Hemmnis für Investitionen und stabile Rahmenbedingungen.
Handwerk warnt vor Eingriffen in Betriebsvermögen
Bau- und Handwerksverbände halten den vorgesehenen Freibetrag in der Praxis für zu niedrig, weil Betriebsgrundstücke, Maschinenparks und Spezialgeräte die Grenze auch bei kleineren und mittleren Unternehmen schnell überschreiten könnten. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt vor Eingriffen in das Betriebsvermögen und begründet dies damit, dass es nicht frei verfügbares Kapital sei, sondern Grundlage für Beschäftigung und Ausbildung; zudem wird kritisiert, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen nach den SPD-Plänen nicht mehr zentrales Kriterium für steuerliche Begünstigungen sein soll.
DIW bewertet Reformansatz grundsätzlich positiv
Unterstützung erhält die SPD aus der Wissenschaft: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bewertet die Reformvorschläge grundsätzlich positiv und verweist auf Steuerprivilegien bei Firmen- und Immobilienübertragungen, die in der aktuellen Ausgestaltung die Vermögenskonzentration erhöhen könnten. DIW-Steuerexperte Stefan Bach ordnet die Vorschläge als Schritt in die richtige Richtung ein, betont jedoch zugleich die Notwendigkeit zusätzlicher Entlastung für kleine und mittlere Unternehmen sowie langfristiger Stundungsmöglichkeiten, um Existenzgefährdungen zu vermeiden.
Stundung, Nachfolge und Wettbewerbsfähigkeit als Streitpunkte
Die Bauwirtschaft hält eine bloße Stundung der Steuerlast für unzureichend, weil die Belastung aus ihrer Sicht nicht sinke, sondern lediglich zeitlich verschoben werde. Branchenübergreifend wächst die Sorge, dass eine Reform ohne klare Differenzierung zwischen Privatvermögen und betrieblichen Strukturen Unternehmensnachfolgen erschwert und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland schwächt; als mögliche Folgen werden zerschlagene oder verkaufte Betriebe sowie zurückgestellte Investitionen genannt.
Quelle: www.meistertipp.de