Bild: stock.adobe.com
Ausschreibungen in Hamburg: Bieterchancen in der Hafenstadt
Hamburg vergibt jedes Jahr öffentliche Aufträge in erheblichem Umfang. Nach Angaben der Finanzbehörde schreibt die Stadt allein für Lieferungen und Dienstleistungen jährlich Aufträge von mehr als 340 Millionen Euro aus (vgl. hamburg.de). Hinzu kommen Investitionen in Straßen, Schulen und den Nahverkehr.
Die Vergabestatistik zeigt, wo Öffentliche Ausschreibungen in Hamburg ihren Schwerpunkt haben. Sie sind vor allem ein Instrument für Bauaufträge. Auch für Liefer- und Dienstleister bieten Öffentliche Ausschreibungen gezielte Chancen.
Hansestadt Hamburg als Auftraggeber
Für Vergaben der Freien und Hansestadt Hamburg sind unter anderem folgende Regelwerke maßgeblich: das Hamburgische Vergabegesetz (HmbVgG), die Hamburgische Vergaberichtlinie (HmbVgRL) und das VV-Bau. Seit dem 1. Juli 2024 ist die Vergabetätigkeit der Stadt in fünf nach Warengruppen spezialisierten Beschaffungs- und Vergabecentern (BVC) gegliedert. In der a24salescloud finden Auftragnehmer die Veröffentlichungen gebündelt und zentral.
Jetzt Ausschreibungen in Hamburg finden
Die Zahlen 2024: Bau dominiert
Im Jahr 2024 wurden in Hamburg unterhalb der EU-Schwellenwerte 467 Aufträge im Wege der Öffentlichen Ausschreibung vergeben. Mit 336 Aufträgen entfielen rund 72 Prozent auf Bauleistungen. Dienstleistungsaufträge kamen auf 80 vergebene Aufträge, Lieferaufträge auf 51.
Im Jahresverlauf war das zweite Quartal mit 135 vergebenen Aufträgen das stärkste, das vierte mit 102 das schwächste. Der Rückgang zum Jahresende geht fast vollständig auf Bauaufträge zurück. Liefer- und Dienstleistungen erreichten im vierten Quartal dagegen ihre höchsten Werte des Jahres (vgl. Statistisches Bundesamt Destatis, Stand: 21.09.2026).
Welche Wertgrenzen in Hamburg gelten
Hamburg geht unterhalb der EU-Schwellenwerte einen eigenen Weg. Bei Liefer- und Dienstleistungen sind Direktaufträge derzeit bis 5.000 Euro möglich. Bis unter 100.000 Euro gilt ein vereinfachtes Beschaffungsverfahren nach der Hamburgischen Vergaberichtlinie. Erst ab 100.000 Euro ist die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) anzuwenden. Der EU-Schwellenwert für Liefer- und Dienstleistungen liegt seit Januar 2026 bei 216.000 Euro.
Für Bauleistungen legt das VV-Bau eigene Wertgrenzen fest: Freihändige Vergaben sind derzeit bis 150.000 Euro möglich, beschränkte Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb bis 1.000.000 Euro (vgl. VV-Bau, Stand: 02/2026).
Klare Chancen in Hamburg
Die geringe Zahl an Liefer- und Dienstleistungsaufträgen muss keinesfalls negativ aufgefasst werden. Ein erster relevanter Aspekt besteht in der Statistik selbst: Es handelt sich um vergebene Aufträge. Verfahren, die ausgeschrieben, aber nicht vergeben wurden, sind darin nicht enthalten.
Zudem steht eine Öffentliche Ausschreibung jedem geeigneten Unternehmen offen – eine vorherige Aufforderung durch die Vergabestelle ist nicht nötig.
Auch der Wettbewerb ist nicht immer groß: Nach Angaben der Handelskammer Hamburg gab es 2024 bei 19 Prozent der öffentlich ausgeschriebenen Aufträge nur einen einzigen Bieter (vgl. HK Hamburg).
Für Bauunternehmen sind Öffentliche Ausschreibungen in Hamburg vergleichsweise häufig, mit durchschnittlich rund 84 vergebenen Aufträgen pro Quartal. Für Liefer- und Dienstleister gilt dagegen: Wenn ein Verfahren seltener vorkommt, zählt jede einzelne Bekanntmachung, die zum eigenen Unternehmensprofil passen könnte. Wer eine Ausschreibung erst spät entdeckt, verliert Zeit für Prüfung, Rückfragen und Kalkulation. Entscheidend ist deshalb, die Veröffentlichungen regelmäßig und zeitnah im Blick zu behalten.
Praxistipp: Suchprofile und Benachrichtigungen nutzen
Bei öffentlich ausgeschriebenen Leistungen lohnt sich eine systematische Suche: Gut eingestellte Suchprofile filtern die relevanten Bekanntmachungen heraus. Wichtige Aspekte für ein gut angepasstes Suchprofil sind hier beispielsweise Leistungsbereich, Region, passende Suchbegriffe und CPV-Codes. E-Mail-Benachrichtigungen sorgen dafür, dass Unternehmen über neue passende Ausschreibungen zeitnah informiert werden und mehr Zeit für die Angebotsbearbeitung bleibt. Die Suchprofile sollten regelmäßig überprüft und nachgeschärft werden, etwa wenn sich das eigene Leistungsangebot ändert.